Die Beamten der documenta-Wache werden auch von Bewohnern des Occupy-Camps um Hilfe gebeten

documenta-Wache in Aktion: Besucher und Besetzer bauen auf die Polizei

Haben Dienst in der documenta-Wache: Polizeioberkommissar Mario Mönnich (links) und Polizeihauptkommissar Mario Ziebe sind Ansprechpartner für viele Besucher der Kunstausstellung. Foto: Schachtschneider

Kassel. Gemeinhin stehen Menschen aus der Besetzerszene in dem Ruf, Abstand zur Polizei zu halten. Offenbar nicht so in Kassel: Bewohner des Occupy-Camps kommen hin und wieder zur documenta-Wache auf dem Friedrichsplatz, um die Ordnungshüter um Hilfe zu bitten.

So auch am Dienstag: Ein Mann erscheint bei Polizeioberkommissar Mario Mönnich, weil er und andere Camp-Bewohner gerade von einem anderen mit einer Dachlatte bedroht und angegriffen worden seien. Die Polizei möge sofort kommen.

In den meisten Fällen werde die Polizei zum Zeltlager gerufen, weil die Bewohner untereinander Streit hätten, sagt Mönnich. Kürzlich hätten die Camper die Beamten gar gebeten, einen unbeliebten Bewohner vom Friedrichsplatz zu schaffen. Die Polizisten mussten den Campern deutlich machen, dass sie dazu keine rechtliche Handhabe hätten, sagt Mönnich, einer von zwei Dienstgruppenleitern in der documenta-Wache.

Insgesamt sei er aber positiv überrascht über das Verhalten der Occupy-Anhänger. Die hätten kürzlich zum Beispiel eine Mitbewohnerin aus dem Camp geworfen, die der Zechprellerei im Alex überführt worden sei. Damit wollten die Camper, die die Toiletten des Cafés benutzen dürfen, nichts zu tun haben. Probleme habe es hingegen mit einem Bewohner gegeben, der am Freitag auf der Königsstraße vor einer Straßenbahn herlief und deren Klingeln ignorierte. Er habe erst nach Aufforderung durch die Polizei die Schienen verlassen, sagt Mönnich. Als sich der Mann bei der Wache ausweisen sollte, kam es zum Eklat. Der Mann biss den Polizisten in den Arm und rief, er habe Aids und Hepatitis. Er wurde für einige Tage in die psychiatrische Klinik eingewiesen.

Wache eher ein Informationsschalter

Von solchen Vorkommnissen abgesehen, ist die Wache eher ein Informationsschalter als ein Ort, wo Strafanzeigen erstattet werden. „Wenn wir momentan eine bis zwei Strafanzeigen wegen Taschen- oder Trickdiebstählen am Tag haben, ist das viel“, sagt Mönnich. „Wir sind aber froh, dass es hier so friedlich ist. Die meisten Menschen fragen uns nach dem Weg. Wo sind Toiletten, wo gibt es Karten?“ Apropos Eintrittskarten - einer Besucherin aus China seien 33 Zwei-Tages-Karten aus ihrer Tasche gestohlen worden, als sie auf der Gustav-Mahler-Treppe unterwegs war. In diesem Fall sei die documenta sehr kulant gewesen und habe die Karten ersetzt.

Bereits im Juni habe es vier Strafanzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung gegeben. Die Beamten seien zum Weinberg gerufen worden, weil Unbekannte Steine auf das Sicherheitspersonal geworfen hätten. Obwohl alle einen Helm getragen haben, sei eine Person am Kopf verletzt worden. Die documenta habe daraufhin ihr Sicherheitspersonal verstärkt.

Der Mann mit der Dachlatte war gestern übrigens nicht mehr am Camp, als die Polizisten eintrafen. Sie hätten aber eine Beschreibung bekommen: Der Tatverdächtige habe rote Haare und eine Glatze.

documenta-Wache, Friedrichsplatz, hinter Café Alex, täglich von 9 bis 20.30 Uhr, Tel. 0561 / 70 16 29 95.

Quelle: mydocumenta

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