Wie reagieren Vierbeiner auf Kunst?

Kunst mal anders erleben: „Dog-u-menta“ mit Hunde-Lotsen

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Zwei Kunstvermittler: Frauke Ohnsmann-Bischoff und ihre Labradormix-Hündin Erika gehören zum Team der „Multispezies“-Führungen, bei denen Menschen und Hunde gemeinsam Kunstobjekte erkunden.

Kassel. Auch Hunde sollen ihren Spaß an der documenta haben – und manche der Vierbeiner werden sogar als Kunstvermittler aktiv: Die drei Hündinnen Mayra, Deern und Erika gehören zum Team der 180 ehrenamtlichen Kunst-Begleiter (documenta-Jargon: „Worldly companions“) im Führungsprogramm der Schau.

Wer in der Karlsaue demnächst einen Pulk von Kunstbeflissenen entdeckt, der im Zickzack einer Hunde-Schnuppernase folgt, der sollte sich nicht wundern. Als „Multispezies“-Führungen bezeichnen die Ausstellungsmacher das ungewöhnliche Angebot, bei dem ausgelotet werden soll, wie unterschiedlich Menschen und Hunde auf Kunstobjekte im Außenraum reagieren. Teilnehmen kann man mit oder ohne eigenen Hund, ein großer Teil der Führungstermine ist dem Vernehmen nach bereits ausgebucht.

Wo genau es dabei langgeht zwischen der Orangerie und Siebenbergen, wird streckenweise dem Instinkt des vierbeinigen Kunstvermittlers überlassen. „Mal führt Erika, mal führe ich“, erzählt Frauke Ohnsmann-Bischoff. Mit ihrem Labrador-Mischling gehört die Tierärztin zur Rettungshundestaffel im Verein „Mensch und Hund“. Schon im vergangenen Jahr hatte documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev zu diesem Verein Kontakt geknüpft und später als ausstellungsvorbereitendes Statement mit der Herausgabe eines Hundekalenders verblüfft. „Die ist total vernarrt in dieses Thema“, sagt Ute Fehr, bis vor Kurzem Vorsitzende von „Mensch und Hund“.

Hunde als documenta-Führer

Natürlich können einem die vierbeinigen Begleiter keine Kunstwerke erklären. Dies können aber ihre drei Besitzerinnen Wiebke König, Martina Schäfers und Frauke Ohnsmann-Bischoff, die alle die „Companions“-Schulung absolviert haben. Darüber hinaus können sie den Gästen erläutern, ob oder warum ein Hund angesichts eines bestimmten Objekts mit Neugier, Desinteresse oder Unwillen reagiert. Dies kann man dann – so das Kalkül der Ausstellungsmacher – mit seinen eigenen Empfindungen vergleichen.

Der dänische Künstler Tue Greenfort hat diese Mensch-Tier-Touren konzipiert, um „den Fokus auf das Menschliche infrage zu stellen“. Ursprünglich sollte die Idee noch weitergetrieben werden, erzählt Frauke Ohnsmann-Bischoff: „Die hatten sich vorgestellt, dass wir auch in der documenta-Halle oder im Fridericianum was mit den Tieren machen.“ Das hätten die Hundeexperten den Kunstfachleuten aber ausgeredet. „In Innenräumen sind unsere Hunde nicht aktiv, sie würden sich einfach hinlegen“, sagt Ohnsmann-Bischoff: „Sie brauchen Bewegung und Geruch.“

Auf dem Kunstparcours in der Karlsaue aber werden Mayra, Deern, Erika und die von den Führungsteilnehmern mitgebrachten Hunde viele Anreize vorfinden, auf die sie spontan und hundespezifisch reagieren können. Wenn es etwa die Zweibeiner drängt, die Stein-in-der-Baumkrone-Plastik von Giuseppe Penone zu kunstästhetisch zu kommentieren, könnte ein Hund angesichts des bronzenen Baumes ein ganz anderes Bedürfnis verspüren.

Quelle: mydocumenta

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