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documenta: Kulturstaatsministerin Roth geht auf Distanz zu Schormann

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Von: Matthias Lohr

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Einer von vielen Gästen zur Eröffnung: Am 18. Juni begrüßte documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann (rechts) die Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Nun kritisiert die Grünen-Politikerin Schormann für deren Stellungnahme vom Dienstag.
Einer von vielen Gästen zur Eröffnung: Am 18. Juni begrüßte documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann (rechts) die Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Nun kritisiert die Grünen-Politikerin Schormann für deren Stellungnahme vom Dienstag. © Andreas Fischer

Der Druck auf die documenta-Generaldirektorin Schormann wächst weiter. Kritik kommt unter anderem von Kulturstaatsministerin Roth. Auch der Zentralrat der Juden legte nach.

Kassel – Auch nach ihrer ausführlichen Erklärung zur Aufarbeitung des Antisemitismus-Eklats bei der documenta gerät Generaldirektorin Sabine Schormann weiter unter Druck. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) erklärte, sie sei „sehr erstaunt und befremdet“ über die Stellungnahme. Die Grünen-Politikerin bezweifelte Schormanns Aufklärungswillen. Der Antisemitismus-Experte Meron Mendel warf Schormann mehrere falsche Aussagen vor. Und Daniel Botmann vom Zentralrat der Juden in Deutschland forderte nicht nur den Rücktritt von Schormann, sondern auch den des Aufsichtsratsvorsitzenden und Oberbürgermeisters Christian Geselle (SPD). Ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen.

Claudia Roth

Überraschend ist vor allem, wie deutlich Kulturstaatsministerin Claudia Roth auf Distanz zu Schormann geht. In Berlin erklärte ihr Sprecher gegenüber Medien, dass Schormanns Aussagen zu den Abläufen in den vergangenen Monaten nicht zutreffend gewesen seien. In ihrer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung hatte die Generaldirektorin unter anderem erklärt, man habe bereits nach den ersten Vorwürfen im Januar auf Empfehlung unter anderem von Roth die Kuratorin Emily Dische-Becker als Koordinatorin eines fünfköpfigen Beraterteams eingesetzt.

Nicht nur Dische-Becker nannte dies nun „eine irreführende Darstellung der Generaldirektorin“. Auch Roths Sprecher widersprach Schormann. Die Bundesregierung habe vielmehr vorgeschlagen, ein Gremium mit fünf Experten zu bilden – unter anderem mit Meron Mendel.

Das wurde laut Roth „von der documenta nicht weiter verfolgt, sondern diese hat eine dann später abgesagte Gesprächsreihe vorbereitet“. Diese Reihe habe „weder inhaltlich noch personell“ dem Vorschlag entsprochen. Es müssten noch Konsequenzen aus dem Antisemitismus-Eklat gezogen werden: „Es ist zunehmend fraglich, ob die documenta-Generaldirektorin das leisten kann oder will.“

Auf unsere Anfrage bekräftigte die documenta gestern Schormanns Erklärung und widersprach damit der Kritik von Roth. Dische-Beckers Empfehlung durch die Kulturstaatsministerin sei unabhängig von der Empfehlung Roths für ein Gremium erfolgt. Die Kuratorin habe die documenta umfassend bei Planung und Organisation der angedachten Experten-Foren unterstützt.

Meron Mendel

Der Antisemitismus-Experte Meron Mendel sollte der documenta als Berater zur Seite stehen – bis er sich vorige Woche zurückzog, weil er bei den Verantwortlichen einen ernsthaften Willen zur Aufarbeitung vermisste. Nach Schormanns Erklärung wandte er sich in einer Mail an den Aufsichtsrat, in der er bedauerte, dass „Frau Schormann die Tatsachen verdreht“.

Die Generaldirektorin hatte erklärt, man habe die Kuratoren des Kollektivs Ruangrua sehr wohl zu der Antisemitismus-Diskussion eingeladen, die die Bildungsstätte organisierte. Mendel bestreitet dies in der Nachricht mit Mail-Auszügen. Die documenta habe sich dagegen gewehrt, Ruangrupa einzuladen.

Zudem kritisierte Schormann in ihrer Erklärung eine Aussage Mendels in der HNA, wonach es möglich sei, Künstler auszuladen. Dies habe zu Verunsicherung bei Kuratoren und Künstlern geführt. Mendel weist in seiner Mail darauf hin, dass er sich dabei auf Schormann bezog. Tatsächlich kommunizierte Schormann die Möglichkeit einer Ausladung in einer Pressemitteilung vom 23. Juni.

Mendel erwartet, dass Schormann die Punkte „öffentlich richtigstellt“. Die Generaldirektorin äußerte sich gestern nicht auf unsere Anfrage. Sie wolle dies am Freitag in der nicht öffentlichen Aufsichtsratssitzung tun, hieß es.

Zentralrat der Juden

Mit deutlichen Worten hat nun Daniel Botmann den Rücktritt von Schormann und Geselle gefordert. Der „Jüdischen Allgemeinen“ sagte der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, dass beide den Skandal zu verantworten hätten und einer Aufarbeitung aktiv im Wege stünden: „Sie sind untragbar. Nach deren Rücktritt von ihren documenta-Ämtern bestünde zumindest die Chance, dass die Skandale aufgearbeitet werden.“ (Matthias Lohr)

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