Das Brachland-Ensemble lädt zum akustischen Spaziergang ein

Echo der documenta

Andenken an die documenta 13: Lukas Thiele, Ruth Wagner, Tobias Hartung und Dominik Breuer (von links) betrachten ein Stück materialisierte Erinnerung. Im Vordergrund ist die Lautsprecherbox zu sehen, aus der die Texte ertönen. Foto: Herzog

Kassel. Was hat die documenta mit Kassel gemacht? Diese Frage stellten sich der Trickfilmstudent Lukas Thiele und der Schauspieler Gunnar Seidel vom Brachland-Ensemble, einem Netzwerk Theater- und Kulturschaffender. Sie laden zur Nachbetrachtung der Kunstschau in Form eines akustischen „Verdauungsspaziergangs“ ein.

Wind wirbelt die Blätter auf dem Boulevard der Schönen Aussicht auf. Unter Regenschauern werden hier die letzten documenta-Bauten wie das blaue Häuschen der Kunstkritikerin Lori Waxman abgebaut. In diesem ungemütlichen Herbst-Szenario erinnert das Brachland-Ensemble mit seinem Audio-Walk an ein berauschendes Kasseler Sommermärchen: An 13 Hörstationen - an Laternenmasten und Baumstämmen angebrachte Lautsprecher-Boxen - werden auf einer Route von der documenta-Halle zum Hugenottenhaus viele wehmütig machende Erinnerungen heraufbeschworen. An Station 2, die sich vor dem AOK-Gebäude befindet, gibt es neben Texten zum Thema „Beseeltes Material“ auch was zu sehen: ein mit rotem Band abgesperrtes Areal, das zudem von einem Aufpasser, Dominik Breuer, bewacht wird. Aber was soll da zu sehen sein außer einem Stück Kasseler Fußweg? Es ist die Erinnerung, die den Ort symbolisch auflädt.

Andenken an Kunstschau

Der „Aufpasser“ bietet - natürlich nicht ernst gemeint - authentische d13-Souvenirs in Form von Zigarettenkippen und Scherben zum Verkauf an. „Die Menschen sehnen sich nach so etwas. Nach Material. Beseeltem Material. Sie wollen sich nicht damit abgeben, dass Momente unweigerlich an ihnen vorbeiziehen. Und deshalb wollen sie Andenken“, ertönt ein Text in Endlosschleife aus dem Lautsprecher.

Die weiteren Audiofragmente haben Gespräche, Erinnerungen, Beobachtungen sowie ein Interview mit Ruth Wagner (Kulturamt) zum Inhalt. All das soll zu einer Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der d 13 auf Kassel anregen und ein Echo des Sommers sein, sagt Thiele.

„This is the beginning of everything you want“ (Das ist der Anfang von allem, was du willst) heißt es zum Schluss vor dem Hugenottenhaus. Von wegen Ende: Es ist ein Aufbruch. Zum Abschluss lädt das Brachland-Ensemble in das orientalische Restaurant Anadolu an der Fünffensterstraße ein, wo die Performance-Künstlerin Andrea Nehring nicht nur handbeschriebene Erinnerungskarten an die Spaziergänger verteilt, sondern auch zu Gesprächen einlädt.

Am heutigen Samstag, 14 bis 18 Uhr, werden weitere d13-Spaziergänge angeboten. Neue Termine sind für Dezember geplant. Routenpläne gibt es am temporär geparkten Fahrzeug vor dem Opernhaus. Das Begleitheft kostet 1,50 Euro.

Mehr Erinnerungen an die d 13 gibt es unter

www.mydocumenta.de

Von Christina Hein

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.