Eichen müssen weichen - Beuys-Bäume sollen gefällt werden

Kassel. Die vier Beuys-Eichen auf dem unbebauten Grundstück Philosophenweg 39/Ecke Schwarzer Weg sind zu stattlichen, 25 Meter hohen Bäumen herangewachsen. Jetzt sind sie bedroht, weil auf dem Grundstück gebaut wird.

Der Standort der Bäume soll „verlagert werden“ heißt es im Behördendeutsch. Praktisch bedeutet das: drei der Bäume werden gefällt. Im Gegenzug wird es an einem anderen, nicht weit davon entfernten Ort, Ersatzpflanzungen geben.

„Es handelt sich bei dem Grundstück um eine wesentliche Baulücke in der Stadt“, sagt Kulturamtschefin Dorothée Rhiemeier auf HNA-Anfrage. Das städtische Grundstück, auf dem die Bäume vor 30 Jahren gepflanzt wurden, sei inzwischen an einen privaten Investor verkauft worden. Vorgesehen sei eine Wohnbebauung. Eine entsprechende Bauvoranfrage ist von der Stadtverwaltung bereits positiv beantwortet worden.

Bebauungsplan: Er sieht eine Randbebauung in Velängerung der vorhandenen Häuser (hinten links) vor.

Ein Bauantrag liege zwar noch nicht vor, aber: „Wir wollen zügig bebauen.“ Rhiemeier betont: Der städtische Beirat 7000 Eichen hat dem Vorhaben im August mehrheitlich zugestimmt. „Damit war für uns alles erledigt.“

Nicht aber für Dr. Rhea Thönges-Stringaris. Die langjährige Beuys-Vertraute, Mitglied im Kuratorium Stiftung 7000 Eichen und ehemalige Grünen-Stadtverordnete setzt sich vehement für den Erhalt der Eichen ein. Eigenhändig hatte die Bäume der 1986 verstorbene Joseph Beuys mit Mitarbeitern des Büros 7000 Eichen am Philosophenweg gepflanzt.

Nicht weit davon entfernt, an der Tischbeinstraße, hatte Beuys sein Büro 7000 Eichen eingerichtet. Das Motto lautete: Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung. „Es ging Beuys doch genau darum: das Augenmerk auf die Bäume zu lenken und zum Nachdenken zu mahnen, bevor ein Baum einem Verwaltungsakt geopfert wird.“, sagt Thönges-Stringaris. Sie ist der Ansicht: Das Grundstück kann bebaut werden, ohne die Bäume zu fällen.

Das aber widerspricht dem Bebauungsplan, der an dieser Stelle eine Randbebauung in Verlängerung des vorhandenen Gebäudekomplexes /Ecke Tischbeinstraße vorsieht.

Südstadt-Ortsvorsteher Harald Doenst äußerte kürzlich bei einer Ortsbesichtigung ebenfalls Protest: „Diese herrlichen Bäume müssen erhalten bleiben.“ Zwar habe sich der Ortsbeirat für eine Bebauung des lange Zeit verwilderten Grundstücks stark gemacht und freue sich über die Pläne, dass dort ein Wohnhaus entstehen soll. „Eine Bebauung sollte jedoch Rücksicht auf die am Grundstücksrand stehenden Eichen nehmen.“ Auch Thönges-Stringaris gibt nicht auf und hofft jetzt auf ein Gespräch mit dem künftigen Bauherren.

Quelle: mydocumenta

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