Was ist eigentlich die documenta?

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Prägend: Joseph Beuys (1921 - 1986) ist einer der wichtigsten Künstler der documenta. Hier steht er 1982 vor Stelen seines Projekts „7000 Eichen“.

Eine stark kriegszerstörte nordhessische Stadt rückt alle fünf Jahre ins Blickfeld der internationalen Kunstwelt. Die documenta gilt als wichtigste Plattform für zeitgenössische Kunst. Warum? Wie kam es dazu? Wir beantworten Fragen rund um die documenta.

Warum findet so eine wichtige Ausstellung in Kassel statt?

Weil Kunstprofessor Arnold Bode nach dem Krieg die Idee hatte, hier ein Begleitprogramm zur Bundesgartenschau anzubieten. Die zerstörte Stadt, in der Ruinen und Trümmer allgegenwärtig waren, schöpfte Kraft für den Wiederaufbau. Das Fridericianum als Ausstellungsort war noch nicht restauriert, so ergab sich eine spannende Wechselwirkung zwischen der gezeigten Kunst und dem provisorischen Raum. Ausstellungsziel war ein Überblick über die Kunst des 20. Jahrhunderts - vieles war unter den Nazis verfemt gewesen.

Wofür stehen die weiteren documenta-Ausstellungen?

Ein kurzer Überblick über die prägenden Aspekte: d 1 (1959): Im Zentrum standen nicht-gegenständliche Arbeiten ab 1945. Ein Fest für die abstrakte Kunst.

d 3 (1964): Arnold Bode und Werner Haftmann inszenierten erstmals Kunstwerke als Rauminstallation.

d 4 (1968): konzentrierte sich auf Kunst der 60er-Jahre, zeigte Objektkunst und Pop-Art. Spektakulär war Christos „Verpackte Luft“.

d 5 (1972): Harald Szeemann kuratierte die Schau. Aktionskunst wurde in das Ausstellungsprogramm aufgenommen mit hinein. Joseph Beuys war als Künstler prägend.

d 6 (1977): Durchbruch für die Medienkunst.

d 7 (1982): Start für Beuys’ Aktion „7000 Eichen“.

d 8 (1987): Video, Performances und politische Kunst dominierten.

d 9 (1992): Jan Hoet inszenierte ein buntes Kunstereignis mit vielen Außenarbeiten, für viele Kasseler ihre Lieblingsdocumenta. Erstmals erhielt die documenta einen festen Raum: die documenta-Halle.

d 10 (1997): Erstmals gab es einen festen documenta-Parcours, der am Kulturbahnhof begann. Die Kunst wurde ergänzt durch die Vortragsreihe „100 Tage - 100 Gäste“.

d 11 (2002): Erste tatsächliche Ausstellung von Weltkunst mit vielen Arbeiten aus Afrika und Asien.

d 12 (2007): Verschaffte dem chinesischen Aktionskünstler Ai Weiwei seinen internationalen Durchbruch. Er zeigte die Skulptur „Template“ und holte 1001 Chinesen nach Kassel („Fairytale“).

Welches ist die wichtigste documenta?

Als solche gilt heute die d 5, weil da erstmals der Kurator - Harald Szeemann - zu einem Gesamtgestalter der Schau wurde. Die subjektive Kunstauswahl eines Kurators erzeugt seither den prägenden Gesamteindruck einer Ausstellung, bei der es schon lange nicht mehr darum geht, Bilder von Galerien liefern und an Wände hängen zu lassen.

Wie fügt sich die d 13 da ein?

Sie setzt, soweit man es bisher weiß, die Entwicklung fort. Noch nie wurden so viele Werke für die Ausstellung produziert, noch nie bezogen sich so viele auf den Ort, an dem sie gezeigt werden.

Wer bezahlt die documenta?

Das Budget der aktuellen Schau liegt bei 24,6 Millionen Euro, davon muss die d 13 13 Millionen Euro selbst erwirtschaften, Stadt, Land und Kulturstiftung des Bundes steuern den Rest bei.

Wer ist Träger der documenta?

Anfangs ein Verein, den Arnold Bode ins Leben rief. Heute ist es die documenta GmbH. Sie wird von der Stadt Kassel und dem Land Hessen als Gesellschafter getragen und finanziert.

Wer bestimmt den Leiter der documenta?

!Der Aufsichtsrat der documenta GmbH setzt eine künstlerisch versierte Findungskommission ein, die einen künstlerischen Leiter auswählt. Der wird dann etwa dreieinhalb Jahre vor dem Start der Schau vom Aufsichtsrat berufen - und übernimmt einen der attraktivsten Jobs in der Kunstszene.

Von Bettina Fraschke

Quelle: mydocumenta

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