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Ein Kühlschrank ohne Strom: Studentin aus Peru unterstützt ein Jahr lang den Verein Karibu Kassel

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Von: Anna-Laura Weyh

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So soll der stromlose Kühlschrank aussehen: Claudia Siesquén Deza aus Peru zeigt documenta-Besucherinnen und -Besuchern im Ruru-Haus, wie ihre Erfindung funktioniert.
So soll der stromlose Kühlschrank aussehen: Claudia Siesquén Deza aus Peru zeigt documenta-Besucherinnen und -Besuchern im Ruru-Haus, wie ihre Erfindung funktioniert. © anna weyh

Claudia Siesquén Deza stammt aus Peru und unterstützt ein Jahr lang den Verein Karibu Kassel. Im Ruru-Haus hat sie nun ihre Erfindung vorgestellt: einen stromlosen Kühlschrank.

Kassel – Frische Lebensmittel sind in Peru ein Privileg. „Mehr als die Hälfte der Familien bei uns leben ohne Strom – und damit auch ohne Kühlschrank“, sagt Claudia Siesquén Deza. Obst und Gemüse müsse man täglich frisch auf dem Markt holen, das sei für viele Menschen in dem südamerikanischen Land zu teuer. Deshalb hat die Peruanerin, die nun für ein Austauschjahr den Kasseler Verein Karibu unterstützt, gemeinsam mit ihrem Bruder Jorge einen stromlosen Kühlschrank entwickelt.

Gebraucht wird dafür nicht viel: Zwei unterschiedlich große Tontöpfe, ausreichend Sand und Wasser. Außerdem noch etwas Stoff oder ein anderes leichtes Material, das als Deckel verwendet werden kann. „Wir haben nach einer günstigen Lösung mit einfachen Materialien gesucht, die für jeden zugänglich ist“, sagt Claudia Siesquén Deza. In ihrer Heimat hat sie mit ihrem Bruder schon mehr als 60 Workshops gegeben und den Menschen dort gezeigt, wie sie sich einen Kühlschrank ohne Strom selbst bauen können.

Viele Familien und zwei Suppenküchen nutzen ihre Erfindung namens Pukhi Refri bereits. Im stromlosen Kühlschrank beträgt die Temperatur bis zu elf Grad weniger als außen. „Wir haben es ausprobiert, und die Früchte halten sich etwa zwei Wochen länger als ohne die Kühlung“, sagt sie. Claudia Siesquén Deza hat in Peru Nachhaltigkeit studiert und sich dann über den Sozialen Friedensdienst bei dem Kasseler Verein Karibu beworben, der den Weltladen in der Obersten Gasse nahe der Innenstadt betreibt.

Karibu gehört zum Ekosistem der documenta fifteen und organisiert regelmäßig Veranstaltungen im Ruru-Haus. Claudia Siesquén Deza zeigte auch dort Besucherinnen und Besuchern ihre Erfindung. „Sie hat uns in ihrer Bewerbung von dem Projekt erzählt und uns neugierig gemacht“, sagt Wolfram Dawin vom Karibu-Vorstand. Bald solle die Peruanerin auch Workshops in Schulen und Jugendgruppen zum Thema Nachhaltigkeit und Low-Tech geben, also über Technik, die ohne den Gebrauch besonderer Technologie auskommt und somit leicht von allen Menschen umgesetzt werden kann.

Bereits seit Anfang August ist Claudia Siesquén Deza in Kassel. Sie hilft bislang im Weltladen des Karibu-Vereins mit, wo es auch während der documenta das doc15-Kafé gibt. „Ich fühle mich hier in Kassel sehr wohl und liebe die vielseitige Arbeit von Karibu“, sagt die Studentin.

Weitere Infos zu den Veranstaltungen von Karibu gibt es hier.

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