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Von der UN zur documenta-Wurst: Fleischermeisterin begeistert mit dem Wurstehimmel

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Fleischermeisterin Katharina Koch sitzt in der Pizzeria Solo in Kassel.
Chefin einer Landfleischerei: Fleischermeisterin Katharina Koch bei der Mittagspause in der Pizzeria Solo in Kassel. © Claudia Feser

Die documenta in Kassel sorgt für Schlagzeilen. Eine spannende Geschichte steckt derweil auch hinter einer eigentlichen Randnotiz: der documenta-Wurst.

Kassel – Metzger mögen gerne auch mal was Süßes, sagt Katharina Koch, 35, aus Calden. Das ist der Metzgermeisterin in fünfter Generation keineswegs anzusehen. Die zierliche Frau in weißer Bluse und mit schicker knallroter Handtasche ist Metzgermeisterin und Chefin der Firma Wurstehimmel.

Im Fachwerkhaus der Familie Koch in Calden hängt der Himmel voller Würste, denn unterm Dach ist beispielsweise auch die documenta-Stracke gereift, die speziell für die Weltkunstausstellung entwickelt wurde.

Es ist eine klassische Ahle Wurscht, die mit Jasminblüten verfeinert wurde. Jasmin ist eine typische Pflanze in Indonesien und soll als Stracke-Zutat einen Bezug zum indonesischen Kuratorenkollektiv Ruangrupa herstellen. Dass die Stracke als offizielle documenta-Wurst auf der Weltkunstausstellung verkauft wird, sei eine Ehre, sagt Katharina Koch, die Chefin von 22 Mitarbeitern ist, zuvor Politik studiert und als Mitarbeiterin des damaligen FDP-Abgeordneten Björn Sänger im Bundestag und bei den Vereinten Nationen in New York gearbeitet hat.

Kassel: Von der UN zum Metzgerhandwerk - „Kann die Welt direkt mitgestalten“

„Bei der UN arbeiten sie täglich für eine friedliche, bessere Welt“, sagt die Politologin, „aber man sieht kein direktes Ergebnis.“ Das sei als selbstständige Unternehmerin im Metzgerhandwerk anders: „Ich kann die Welt direkt mitgestalten.“ Sie bekomme direkte Rückmeldung und sehe an den Verkaufszahlen, was den Kunden gut schmecke.

Manche Kommilitonen und früheren Kollegen würden sie dafür beneiden, berichtet Katharina Koch. Sie wundere sich, dass das Handwerk so wenig Ansehen hat: „Ich habe den Eindruck, dass man sich dafür schämen muss, mit den Händen zu arbeiten.“

Manche ihrer 22 Mitarbeiter seien länger dabei als sie selbst auf der Welt sei, sagt die 35-Jährige. Denn Fachkräftemangel sei auch in ihrer Branche ein großes Problem. In ihrer Firma gibt es zurzeit einen Metzger-Auszubildenden und eine angehende Fleischerei-Fachverkäuferin. Natürlich werde für den eigenen Bedarf ausgebildet.

documenta-Wurst aus Calden: Ahle Wurst mit Jasminblüten verfeinert

Auch ihre beiden Brüder haben Metzger gelernt. Das Geschäft des Vaters wollten sie aber nicht übernehmen. Als dann Katharina Koch vom Vater gefragt wurde, sagte sie Ja. Und kam aus New York zurück nach Nordhessen. Das Vermarkten der Marke Wurstehimmel macht ihr Spaß, ebenso das Entwickeln neuer Produkte. Mittlerweile gibt es 25 Sorten Stracke im Programm.

Eine ist die Ahle Wurscht mit Stadthonig aus Kassel. Aber nicht, weil Metzger auch mal was Süßes mögen, sondern weil die Wurstehimmel-Produkte für Regionalität stehen sollen. Und wenn Katharina Koch mal zwischendurch was Schnabulieren will, dann greift sie zu einem Stück Ahler Wurscht, schön fest muss sie sein, so mag sie sie am liebsten. (Claudia Feser)

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