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Kassel: Eine Galerie für die Ahle Wurscht zur documenta

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Von: Axel Schwarz

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Stracke unter Glas: Katharina Koch in dem galerieartigen Laden an der Friedrich-Ebert-Straße 75.
Stracke unter Glas: Katharina Koch in dem galerieartigen Laden an der Friedrich-Ebert-Straße 75. © Dieter Schachtschneider

Fleischermeisterin Katharina Koch macht die nordhessische Spezialität documenta-tauglich. Für die Verbindung von Kunst und Ahle Wurscht gibt es nun auch den passenden Laden.

Kassel – Ist das ein trendiger Juwelier? Eine neue Kunstgalerie? Am neu gestalteten Schaufenster des Ladenlokals an der Ecke Friedrich-Ebert- und Goethestraße hält jeder zweite Passant inne und ist nach näherem Hinschauen verblüfft: Unter gläsernen Hauben, die auf weißen Sockeln ruhen, hätte er wohl so manche Kostbarkeit vermutet, aber nicht die Ahlen Würschte, die dort in Szene gesetzt sind.

An den Wänden sind weitere Exemplare der nordhessischen Spezialität zu grafischen Strukturen arrangiert, die Galerie-Atmosphäre verströmen. Ein Holzgerüst unter der Decke ist mit gut 350 Würsten bestückt. „Das strahlen wir abends an“, sagt Katharina Koch.

Die Inhaberin der Landfleischerei Koch in Calden versucht mit der originell gestalteten „Ahle-Wurscht-Galerie“, dem regionalen Traditionsprodukt „einen jüngeren, frischeren Anstrich zu geben“, wie sie sagt. Und dass gerade documenta ist, spielt auch eine Rolle: „Wenn die Welt in Kassel ist“, so Katharina Koch, „müssen wir unser bekanntestes Produkt auch präsentieren“.

Da gibt es noch einen tieferen Zusammenhang: Die Fleischerei ist offizieller Partner der documenta fifteen und hat eine „documenta-Stracke“ entwickelt, die als schmackhaftes Souvenir fürs Kunstpublikum im Ruruhaus verkauft wird. Diese Sorte sei dezent mit Jasminblüten verfeinert, verrät die 36-Jährige – weil Jasmin in vielen indonesischen Traditionen eine Rolle spiele.

Daneben gibt es in dem Galerie-Laden Ahle Wurscht mit Fenchel, Gin, Walnüssen und weiteren Aroma-Extras; 15 Sorten insgesamt. Was von manchen Puristen skeptisch betrachtet wird, komme vor allem bei einem jüngeren und trendbewussten Publikum sehr gut an, berichtet Katharina Koch. Von daher sei der Standort an der Schnittstelle zum Stadtteil Vorderer Westen vielversprechend. Zunächst habe man einen Mietvertrag für vier Monate – bis Mitte Oktober – gemacht. Eine längerfristige Präsenz dort sei aber durchaus denkbar: „Wir tasten uns mal ran.“

Seit Freitag (24.6.2022) ist der originelle Galerie-Laden namens „Wurstehimmel“ – das ist das besagte, traditionelle Reifegerüst unter der Decke – geöffnet, schon in den Tagen zuvor hatten immer wieder Neugierige hereingeschaut. In den Räumlichkeiten mit der Adresse Friedrich-Ebert-Straße 75 hatte sich zuletzt der Herrenausstatter Funke befunden, seit Ende 2021 stand der Laden infolge einer Insolvenz dann leer.

Der Hauseigentümer Sebastian Bleisch hatte die Räume vorübergehend als Ausstellungsort für seine eigenen Aquarellbilder und Kreidezeichnungen genutzt, war parallel aber auf der Suche nach einem geschäftlichen Nachmieter geblieben. Bleisch organisiert in der Nachbarschaft auch den wöchentlichen Anna-Markt, aus dem Kreis der Marktbeschicker kam dann der Kontakt zu Katharina Koch zustande, wie der Eigentümer berichtet.

So ist das Quartier zu der ungewöhnlichen Wurst-Galerie mit ihrem reduzierten Kulturschick und dem teilweise eigens angefertigten Mobiliar gekommen. Der Standort sei ja auch nicht als Metzgerladen zu verstehen, stellt Katharina Koch klar. Eher sei er eine Art Flagship Store „für unser Hauptprodukt“. (Axel Schwarz)

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