Hofbuchhandlung Vietor stiftet 400 verbotene Bücher

Endspurt am Parthenon der Bücher: Es fehlen noch 1600 Bücher

Fast ein kleines Happening: Als Lothar Röse (von links), sein Azubi Thomas Kinn, sein Kunde Michael Gribner und seine Auszubildende Inka Tumforde gestern rund 400 Bücher an den Parthenon brachten, dachten wohl einige documenta-Besucher, dass es sich um eine Kunst-Performance handelt. Fotos:  Fischer

Kassel. Eigentlich wollten Lothar Röse, Eigentümer der Hofbuchhandlung Vietor, und seine beiden Azubis Inka Tumforde und Thomas Zinn am Freitagvormittag nur Bücher in die Box am Parthenon auf dem Friedrichsplatz legen.

Wie die HNA berichtet hatte, fehlen für das Kunstwerk der argentinischen Künstlerin Marta Minujín noch rund 2000 Bücher, die irgendwo auf der Welt mal verboten waren oder noch sind. Seit der Lieferung aus der Buchhandlung Vietor sollte sich diese Zahl auf rund 1600 verringert haben.

Allerdings entwickelte sich die Abgabe der Bücher schnell zu einer Menschenansammlung. Einige documenta-Besucher dachten wohl, dass es sich dabei um eine Kunst-Performance handelt. Sie griffen in die Kisten mit den Büchern und schauten sie interessiert an. Schnell entwickelten sich Gespräche.

„Ist Harry Potter wirklich verboten?“, wollte ein Mann mit einem Kleinkind auf dem Arm wissen. Röse klärte ihn darüber auf.

Unter den Büchern, die Kunden bei Vietor für das Kunstwerk abgegeben haben, hätten sich aber nicht nur verbotene Werke befunden, sagt Röse. „Obwohl einige dieser Bücher so schlecht sind, dass sie eigentlich verboten werden müssten.“

Manche Familien hätten die Sammelaktion für den Parthenon offenbar nur genutzt, um ihre Regale auszumisten. Andere Kunden hätten sich hingegen viel Mühe gegeben und sogar noch dokumentiert, wann und wo ihr gespendetes Buch verboten gewesen ist.

Alle Informationen über das Parthenon der Bücher und die documenta finden Sie auch in unserem Online-Spezial.

Ein Bildband mit dem Titel „An der Saale“ ist wohl indes niemals irgendwo der Zensur zum Opfer gefallen. Aus Versehen war er in einem Karton zwischen Werken von Kafka und Goethe gelandet, den Röse für den Parthenon mitgebracht. Dies sei ein gutes Beispiel dafür, wie frech einige Menschen die Sammelaktion ausgenutzt hätten, so der Buchhändler.

Aber über Geschmack lässt sich ja streiten. documenta-Besucher Andreas Ludwig aus Baden-Württemberg, der das Treiben an der Box vor dem Kunstwerk verfolgte, fragte, ob er den Bildband erwerben könne. Halle an der Saale sei nämlich seine Heimat. Für eine kleine Spende an die Azubis durfte Ludwig den Bildband mitnehmen. Der freute sich darüber: „Ich habe das Buch gerettet.“

Weitere Bücher können direkt neben dem Parthenon in eine Box gelegt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.