Erbsengrüne Kunst: documenta-Star Yan Lei bei VW

Kassel. Yan Lei verschwindet unter Erbsengrün. Zuerst bekleckern ihn nur ein paar Farbspritzer, dann gehen seine schwarze Wuschelfrisur und seine Hornbrille unter einer Schickt Autolack verloren.

Der chinesische Künstler lässt seit Beginn der documenta jeden Tag mehrere seiner Gemälde von Auszubildenden des VW-Werkes übersprühen. Am Donnerstag war er selbst in Baunatal und beobachtete, wie sich unter anderem sein Selbstportrait „Yan Lei Hongkong“, das ihn mit Brille und Zigarette zeigt, in eine einfarbige Fläche verwandelte.

Während die Journalisten aufgeregt fragen, ob ihm das Künstlerherz nicht weh tut, blickt der Maler aus Peking stoisch in die Kameras. „Nein“, lässt er eine Begleiterin übersetzen. „Ich habe so viele Bilder.“

Fotos: Kunstaktion: documenta-Bilder überlackiert

Kunstaktion: documenta-Bilder überlackiert

Yan Lei spielt in seinem „Limited Art Project“ (Begrenztes Kunstprojekt) mit der Originalität von Bildern. Für die documenta hat er 360 Fotos abgemalt, die im digitalen Zeitalter jederzeit verfügbar und reproduzierbar sind. Zum Teil sind es Bilder von seiner eigenen Kamera, zum Teil ikonische Fotos von der Queen oder Mao Tse-tung aus dem Internet.

Die handgemalten Ölbilder werden nach und nach industriell übermalt und wieder in die documenta-Halle zurückgehängt. Langsam abstrahiert sich so die Vielfalt der Motive zu einem Mosaik aus bunten Farbflächen.

Yan Lei hat schon vor der d13 festgelegt, welches Bild wann und wie übermalt wird. Die leuchtenden Farben, in denen kein handelsüblicher VW auf den Straßen unterwegs ist, werden von einem Autohaus in Fuldatal gemischt.

In der Lackiererei in Baunatal greift Azubi Jan Bindbeutel zur Farbpistole. Routiniert übersprüht der 22-Jährige die Leinwand, auf der mal Yan Lei zu sehen war. Als das Bild zum Trocknen aufgehängt ist, lassen sich unter dem Hellgrün nur noch ein paar Konturen erkennen.

Der Kpünstler beobachtet die Szene aus dem Hintergrund, noch immer umringt von Journalisten, noch immer regungslos. „VW hat mich sehr gut unterstützt“, lobt er schließlich brav seine Unterstützer. „Die Sprüher sind für mich auch Künstler.“

Jan Bindbeutel sieht das Ganze pragmatischer. „Es ist eine gute Abwechslung“, sagt er. Und leid um die Bilder muss es ihm auch nicht tun: Es gibt ja die Fotos im Original.“

Vor Yan Leis Raum in der documenta-Halle stehen Besucher oft Schlange. Tipp: Unter der Woche vormittags oder mit der Feierabendkarte hingehen.

Quelle: mydocumenta

Rubriklistenbild: © Koch

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