Fotoausstellung im Offenen Kanal

Erinnerung an die d 13: Der Kunststandort Zoll- und Güterbahnhof

+
Foto-Dokumentation vom Verschwinden eines Bahnhofs: Auch in diesem, dem vorderen Teil des Gebäudes, waren einst Ausstellungsräume der documenta 3.

Kassel. Der Kasseler Künstlerin Rosadora Trümper Tuschick, die unter dem Künstlernamen Rosadora bekannt ist, haben es sich selbst überlassene und geheimnisvolle Orte angetan. Biotope, sagt sie gerne.

Ein zweites Thema, das die Kasseler Fotografin umtreibt, ist die documenta. Beide Herzensthemen vereinigen sich in ihrer aktuellen Fotoausstellung im Medienkompetenzzentrum Offenen Kanal Kassel (MOK). Außerdem ist zur Schau ein eindrucksvoller Film entstanden.

Rosadora hat sich dem alten, inzwischen abgerissenen Güter- und Zollbahnhof gewidmet. Zur documenta 13 war er ein lebendiger Kunststandort. Beispielsweise konnten sich die Besucher im ehemaligen Bürogebäude des Bahnhofs in den Installationen des Künstlerduos Haris Epaminonda und Daniel Gustav Cramer verlieren. Auch sie hatten sich den Themen Kommen und Gehen, Werden und Vergehen gewidmet.

Der alte Güter- und Zollbahnhof, auch als Hauptbahnhof Kassel Nord bekannt, musste 2014 dem geplanten Neubau eines Forschungszentrums des Fraunhofer-Instituts weichen. Auf über 9000 Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen hat Rosadora das lange Sterben der Abfertigungsgebäude unter den Schaufeln der Abrissbagger dokumentiert. Fast täglich war sie während der Arbeiten vor Ort und hat fotografiert. So setzte sie dem Bahnhofsgelände ein eindrucksvolles Denkmal.

Ausstellung in den Räumen des Offenen Kanals: Rosadora zeigt Fotografien und präsentiert einen Film. 

Zu sehen ist die Ausstellung noch während der gesamten documenta-Zeit im MOK im Kulturbahnhof. Ebenso sind Fundstücke von der Abriss-Baustelle ausgestellt. Außerdem entstand im MOK in Zusammenarbeit mit Christina Ecknigk der Film „Ein Bahnhof verschwindet“.

Die 77-jährige Rosadora hatte 2012 bereits die documenta-13-Arbeit von Pierre Huyghes „untilled“ dokumentiert und Videos angefertigt. Der abseits der Karlsaue gelegene verwilderte Garten, in dem nicht nur Brennnesseln wuchsen, sondern vom Publikum auch Bienen und ein Hund beobachtet werden konnten, hatte auf die Kasselerin eine große Faszination ausgeübt.

Davor hatte sie auch die documenta 12 mit ihrer Kamera begleitet. Allein vom Mohnfeld vor dem Fridericianum entstanden unzählige Fotos. Spannend ist die aktuelle Ausstellung für viele Kasseler, die den alten Zoll- und Güterbahnhof möglicherweise gar nicht im Bewusstsein hatten. Die Stadt Kassel hat das Grundstück auf der Nordseite des Hauptbahnhofs von der Bahn gekauft, um es für die Bebauung der Fraunhofer-Gesellschaft vorzubereiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.