documenta 13

Jakob Schillinger bildet Besucherführer aus: Fragen, wie Kunst funktioniert

+
Verantwortlich für die Schulung der „weltgewandten Begleiter“: Jakob Schillinger.

Kassel. Wie wird Kunst präsentiert, welche Bedeutung wird ihr zugesprochen, wie nimmt sie ein nicht professionelles Publikum auf? Das Interesse des Autors und freien Kurators Jakob Schillinger gilt vor allem solchen Fragen: welchen „Rahmen“ Kunst in der Öffentlichkeit erhält.

Von „Framing“ spricht der 32-Jährige, der fast vier Jahre in New York gelebt hat. Bei der documenta 13 hat Schillinger die bestmögliche Anschauung für solche Überlegungen: Er leitet die Ausbildung der Besucherführer.

„Dean of School for Worldly Companions“ lautet seine Funktion im documenta-Slang, Leiter der Schule für die weltgewandten Begleiter. Auch dieses Wochenende arbeiten die 180 Besucherführer wieder in der Kunsthochschule.

Nur einmal sagt Schillinger beim Gespräch im Café aus Versehen „Vermittlung“, denn diesen Begriff für die Führungen vermeidet die documenta 13 gerade. Stattdessen sollen Dialoge in Gang gesetzt werden, in denen Besucher zwar auch ihre Abwehrhaltung und Vorurteile äußern können, bei denen sie aber nicht verharren sollen: Vorbehalte sollen nicht ungeprüft stehen bleiben.

Mutiger Schritt

2007 nahm jeder siebte documenta-Besucher an einer Führung teil, also sei die Rolle der „Companions“ enorm wichtig, meint Schillinger. Mutig findet der 32-Jährige die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev, die die Ausbildung dieser lokalen Experten ergebnisoffen, aber konsequent durchziehe. Eindrucksvoll und anregend sei überhaupt, wie klar „CCB“ Ideen verfolgt.

Wie Kunst im öffentlichen Raum funktioniert, das hat Schillinger in New York als Mitinitiator des experimentellen Ausstellungsraums „Exhibition“ erlebt. In einem leer stehenden Ladenlokal stellten 65 Künstler nacheinander je drei Tage nach festen Regeln aus: Sie durften alles im Raum nutzen, verändern, Dinge hinzufügen, mussten aber selbst alles dalassen. Ein halbes Jahr totaler Wahnsinn, sagt Schillinger. Es gab weder Budget noch Werbung, doch viel Aufmerksamkeit in der Kunstszene.

Bei der vom Berliner Senat initiierten Schau „Based in Berlin“ 2011 erlebte Schillinger dann das Gegenteil: feste Strukturen, Etat, Marketing und eine breite Öffentlichkeitswirkung.

Schillinger ist auch zurzeit viel unterwegs, der Kunstbetrieb sei sowieso keine nationale Angelegenheit. Im documenta-Team fühlt er sich gut aufgehoben. Von der documenta-Stadt sah er bislang wenig. Was ihm auffällt: Dass die Kasseler meinten, sich permanent für Kassel entschuldigen zu müssen. Dabei sei Kassel doch längst nicht die einzige im Krieg zerstörte und durch Nachkriegsarchitektur geprägte Stadt.

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.