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Auf der Weser geht’s für das documenta-Boot nicht weiter

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Von: Andreas Hermann

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Das documenta-Boot Citizenship liegt seit 13. Juli am Steg des 1. Motorsportclub Wolfsburg am Doktorsee bei Rinteln an. Eine Weiterfahrt wird angesichts des fallendes Wasserstandes der Weser immer unwahrscheinlicher.
Das documenta-Boot Citizenship liegt seit 13. Juli am Steg des 1. Motorsportclub Wolfsburg am Doktorsee bei Rinteln an. Eine Weiterfahrt wird angesichts des fallendes Wasserstandes der Weser immer unwahrscheinlicher. © privat

Wegen Niedrigwasser hängt die Citizenship bei Rinteln fest, nun verringert die Edertalsperre auch noch die Wasserabgabe an die Weser

Kassel/Rinteln – Aller Voraussicht nach wird die Citizenship, das am 2. Juni in Berlin gestartete documenta-Boot, sein Ziel Kassel nicht vor Ende der Weltkunstausstellung erreichen. Das Boot, ein auf den Kopf gestelltes Gebäudedach, wurde vom Künstlerkollektiv Kunstrepublik des Berliner Zentrums für Kunst und Urbanistik (ZK/U) als Beitrag zur documenta fifteen auf den Weg geschickt. Nun aber hängt es seit fast einem Monat und für unbestimmte Zeit auf der Weser fest.

Wegen des niedrigen Weser-Pegelstandes liegt die Citizenship inzwischen seit 13. Juli am Steg des 1. Motorboot-Clubs Wolfsburg am Doktorsee bei Rinteln an. Die Hoffnung, es könne bald schon mit der Fahrt in das noch rund 200 Kilometer entfernte Kassel weitergehen, hat am Montag das Wasser- und Schifffahrtsamt Weser (WSA) zunichtegemacht.

Hintergrund ist der nur noch zu etwa einem Viertel gefüllte Edersee. Weil das Füllvolumen der Edertalsperre am heutigen Dienstag die Grenze von 40 Millionen Kubikmeter unterschreiten werde, ende damit die Stützung des Wasserstands der Oberweser, kündigte das WSA an. Das heißt: Die Talsperre verringert die Wasserabgabe an die Weser von bislang über 30 auf nur noch sechs Kubikmeter pro Sekunde. Die Folge für die Weser, so das WSA: „Die Pegelstände werden daraufhin stark abfallen.“ Gerechnet wird mit 40 bis 50 Zentimetern weniger.

Da sich das Absenken der Wasserabgabe andeutete, hat die Personenschifffahrt auf der Weser bereits zum Wochenende hin Einschränkungen angekündigt. So sollen etwa die großen Schiffe der „Flotte Weser“ künftig nur noch im Raum Hameln fahren. Auch der Linienverkehr zwischen Corvey und Bad Karlshafen werde eingestellt.

Noch als der Weserpegel durch das Wasser der Edertalsperre gestützt wurde, reichte das der Citizenship nicht. Wegen des niedrigen Wasserstandes und der Gegenströmung hatten die Behörden dem documenta-Boot die Weiterfahrt untersagt. Versuche, sie durch Anbau von zwei Motoren und vier 200 Liter Wasser fassenden Auftriebshilfen fortzusetzen, seien ohne Erfolg geblieben, berichtete Willi Baumgardt. Der Hafenmeister am Doktorsee hat ein Auge auf das Boot, seit die Crew nicht mehr da ist.

Aktuell liege der Weser-Pegel in Rinteln bei 1,35 Meter. Bei Hameln und Bad Karlshafen seien es noch deutlich weniger, betonte Baumgardt. „Wenn der Wasserstand jetzt wegen der verringerten Talsperrenabgabe noch weiter fällt, kann das docuemnta-Boot auf keinen Fall seine Fahrt fortsetzen.“

Dass die Citizenship wohl nicht mehr während der documenta fifteen in Kassel ankommen werde, sei zwar enttäuschend. „Es wird aber auf jeden Fall irgendwie weitergehen“, sagte die ZK/U-Sprecherin Elisa Georgi. Für das letzte documenta-Wochenende lade man alle Beteiligten des Projekts zu einer großen Zusammenkunft nach Kassel ein – „mit oder ohne Schiff“.

(Andreas Hermann)

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