Blick hinter die Kulissen

Für den Parthenon: So werden die Bücher für die documenta verpackt

Erster Arbeitsschritt: Die diakom-Mitarbeiter Armin Reinhart (von links) und Atilla Tandogan zeigen, wie die Bücher durch das Vakuumieren mit Folie versehen werden. Fotos: Wienecke

Kassel. Der 31 mal 70 Meter große Parthenon der Bücher auf dem Friedrichsplatz ist der Publikumsmagnet der documenta 14.

Die argentinische Künstlerin Marta Minujín (74) macht mit ihrem Kunstwerk, an dem etwa 55 000 Bücher angebracht werden sollen, die verboten sind oder waren, auf die Verfolgung von Schriftstellern und Zensur ihrer Werke aufmerksam.

Doch wie kommen die Bücher in die schützenden Plastikfolien, mit denen sie am Gerüst befestigt werden? Dafür ist seit vier Wochen die diakom Kassel zuständig, die zur Baunataler Diakonie Kassel (bdks) gehört.

Jens Uthof (35), Armin Reinhart (61) und Atilla Tandogan (36) gehören zu dem Team aus zehn Mitarbeitern, das die Bücher mit durchsichtiger fester Plastikfolie wetterfest macht. Mit einer Maschine wird dabei vakuumiert, die Luft zwischen Buch und Folie dauerhaft entfernt.

400 bis 600 Bücher werden pro Woche bearbeitet, dabei gehen die Mitarbeiter sehr sorgfältig vor. „Die Bücher sollen sich genau in der Mitte der Folie befinden“, berichten sie. „Danach wird die Folie an zwei Stellen gelocht und mit Kabelbindern versehen“, ergänzt Jens Uthof.

Zweiter Arbeitsschritt: Jens Uthof (links) locht die Folien und fädelt jeweils zwei Kabelbinder ein. Jennifer Odyja und diakom-Leiter Markus Siebert schauen bei ihm vorbei.

Die Vorrichtung, mit der dieser Arbeitsschritt erledigt wird, haben Mitarbeiter des Volkswagen-Werks gebaut. Das Vakuumieren wurde zunächst dort vorgenommen. Zehn angehende Mechatroniker der Volkswagen-Akademie haben zwei Wochen lang auch beim Anbringen der Bücher mitgearbeitet.

Joachim Bertelmann, Vorstandsvorsitzender der bdks, hatte gleich zu Beginn die Mitarbeit der diakom Kassel an der Fertigstellung des Kunstwerks vorgeschlagen. „Es ist großartig, dass die diakom eine kleines Getriebeteil dieses Weltkulturprojekts ist“, sagt er.

Das Kunstwerk, dessen Gerüst die Form des antiken Parthenon-Tempels auf der Akropolis in Athen aufgreift, ist so groß wie das Original. Es schlägt eine Brücke zwischen Athen und Kassel, den diesjährigen Standorten der documenta.

Auf dem Kasseler Friedrichsplatz fand am 19. Mai 1933 die Bücherverbrennung durch die Nazis statt. Im benachbarten Fridericianum befand sich eine Bibliothek, die im Krieg beschädigt wurde.

Bücher für das Kunstwerk können auch weiterhin am Fridericianum abgegeben werden. Dort befindet sich eine Spendenbox.

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