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Kritik aus Berlin an Geselle: Oberbürgermeister verteidigt sich

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Von: Matthias Lohr, Ulrike Pflüger-Scherb

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Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle und documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann  im Auestadion
Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann bei der Eröffnung der documenta im Juni 2022. © Andreas Fischer

Der Antisemitismus-Eklat auf der documenta war Thema im Kulturausschuss des Bundestags - ohne Oberbürgermeister Geselle. Der wehrt sich nun gegen Kritik an seinem Fernbleiben.

Kassel – Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle hat erneut seine Entscheidung verteidigt, nicht zur Sitzung des Kulturausschusses des Bundestags nach Berlin zu reisen, in der am Mittwoch der Antisemitismus-Eklat der documenta Thema war. Gegenüber der HNA erklärte der SPD-Politiker, dass seine Teilnahme am ebenfalls am Mittwoch stattfindenden Finanzausschuss „unverzichtbar und verpflichtend“ gewesen sei. Dort ging es um den Nachtragshaushalt und das umstrittene Energiegeld.

In der Sitzung in Berlin hatte auch die erkrankte documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann gefehlt. Das stieß bundesweit auf Kritik. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Eine weitere Gelegenheit der beiden, sich zu erklären, ist also verstrichen.“ Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Erhard Grundl nannte das Fernbleiben „eine grobe Missachtung aller Beteiligten, eine Verkennung der Situation und eine eklatante Fehleinschätzung des entstandenen Schadens“.

In einem Brief an die Vorsitzende des Kulturausschusses, Katrin Budde (SPD), lud Geselle die Mitglieder des Gremiums offiziell zur documenta ein. Gegenüber der HNA erklärte Budde, dass der Ausschuss die Einladung ausschlagen müsse, da „auswärtige Sitzungen nahezu unmöglich sind“. Sie selbst werde die documenta im September besuchen.

An der Sitzung am Mittwoch nahmen einige Ausschussmitglieder digital teil. Da es laut Budde hieß, Geselle sei zum Zeitpunkt der Sitzung nicht verfügbar, „wurde diese Option nicht weiter vertieft“. Geselle erklärte, man habe ihm eine Teilnahme per Videoschalte nicht angeboten.

Das Kasseler Ausschussmitglied Awet Tesfaiesus (Grüne) sagte, der jüngste Vorfall reihe sich ein in einen Reigen aus Absagen und Fernbleiben. Die Diskussion um Antisemitismus auf der documenta „wäre nicht da, wo sie heute ist, wenn Herr Geselle rechtzeitig einen konstruktiven Austausch gesucht hätte. Die verursachten Verletzungen sind jetzt groß, und der Schaden, den die documenta erlitten hat, ist immens.“

Dagegen sagte der Kasseler SPD-Vorsitzende Ron-Hendrik Hechelmann, dass Geselle für sich selbst über seine Prioritäten entscheiden müsse: „Ich gehe aber davon aus, dass er die richtige Entscheidung für die Haushaltsplanung und die documenta getroffen hat.“ Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels äußert keine Kritik an Geselle: „Der Oberbürgermeister hat frühzeitig auf die Terminkollision hingewiesen.“ (Matthias Lohr, Ulrike Pflüger-Scherb)

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