„Unbedingt hinfahren!“ - Viel Lob für die documenta

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Kassel. Noch vor der offiziellen Eröffnung am Samstag bekommt die documenta in den Medien viel Lob. Während frühere Ausgaben der Kunstschau oft mit ätzender Kritik überzogen wurden, wird die 13. Ausgabe als inspirierend und durchdacht gewürdigt.

So zeigte sich Kasper König, Direktor des Kölner Museums Ludwig und einer der einflussreichsten deutschen Ausstellungsmacher, bei einem Rundgang begeistert. „Unbedingt hinfahren!“, sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Es lohnt sich auf jeden Fall.“ Dabei empfahl er allen Besuchern, sich lieber für einige ausgewählte Dinge richtig Zeit zu nehmen anstatt möglichst abhaken zu wollen.

Ab Samstag können die Besucher viel Überraschendes entdecken. So finden sich allein in der zentral gelegenen Karlsaue eine aus der Sahara importierte Zelt-Küche, ein Hypnose- und Duft-Pavillon und ein Sanatorium: „Da werden sehr liebenswürdig und wunderbar leicht neun verschiedene Therapien angeboten, das empfehle ich sehr“, sagte Kasper König dazu.

Das Medienecho fiel durchweg positiv aus.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ beschreibt die Kasseler Ausstellung unter Leitung von Carolyn Christov-Bakargiev als „sanftmütig“ und meint: „Wohl noch nie war eine Documenta so kontemplativ, und nie war sie verschlungener.“

Sueddeutsche.de urteilt: „Nachdem die vorangegangene zwölfte Documenta an Thesen, Verweisen und Formulierungen wie den „migrierenden Formen“ scheiterte, schlecht installiert war und archivstaubtrocken argumentierend als nicht besonders geglückt abgehakt wurde, ist diese vielfältige dreizehnte Ausgabe als Setzung konsistent, vielgestaltig und sprechend."

Der aus Kassel stammende Autor Christian Saehrendt schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ): „Wird es eine documenta der Superlative? Mit den magersten Kunstwerken? Mit der unprofessionellsten Pressearbeit? Mit der versponnensten Theorie-Begleitung? Mit der arrogantesten Chefkuratorin? Es wird, so viel ist sicher, die schlechteste documenta aller Zeiten. Aber das ist immer so. Die neuste ist immer die schlimmste, und dann wird sie peu à peu rehabilitiert – spätestens bei der nächsten documenta.“ Er weiß, dass Ärger intensiver im Gedächtnis bleibt als Langeweile oder Harmonie. „Ärger ist in diesem Sinne ,nachhaltiger‘, man hat mehr von seinem Geld. Deshalb: Ärgern Sie sich über Kunst, fahren Sie nach Kassel!“

d13: Das ist in Karlsaue und Orangerie zu sehen

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In der Rheinischen Post heißt es: Die vorausgehenden Streitereien und Skandälchen, „diese kleinen menschlichen Inszenierungen vor der großen Kunst-Regie“ hätten einen Grund: „Die über die gesamte Stadt sich ausdehnende Schau lohnt sich für die Veranstalter nur, wenn Millionen von ihr sprechen und zumindest einige Hunderttausende so neugierig geworden sind, dass sie sich ins entlegene Kassel aufmachen. (...) documenta-Besucher müssen viel laufen, wenn sie alles erkunden wollen. So ist die größte Kunstschau der Welt zugleich das größte Open-Air-Festival – und glücklicherweise das friedlichste dazu.“

Der „Stern“ findet die Sorge, die d 13 sei theorieschwer und verkopft, unbegründet. Auf der Homepage verberge sich eine gehörige Portion Albernheit. Wie ein Seminar über Wahrheit und Alkohol: „Die Teilnehmer stoßen auf jedes diskutierte Konzept an und werden immer betrunkener.“ Das führe zu vervielfachten Sichtweisen und werde durch ein Katerfrühstück abgerundet. Das, so der „Stern“, passe zum Motto „Zusammenbruch und Wiederaufbau“.

Kritik kam allerdings erneut von dem Bildhauer und Kunstprofessor Stephan Balkenhol. Für ihn demonstriert die documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev einen „Machtanspruch, der sehr gefährlich ist“. Die künstlerische Leiterin hatte eine Männer-Skulptur von Balkenhol auf einem Kirchturm in der Kasseler Innenstadt verhindern wollen, weil die documenta ihrer Meinung nach dadurch gestört wurde. Wenn so etwas um sich greife, sei „die Freiheit der Kunst bedroht“, sagte Balkenhol der dpa. Christov-Bakargiev hatte sich bei der Pressekonferenz am Mittwoch allerdings verteidigt: „Ich habe nie etwas zensiert!“, sagte sie.

„Die Welt

“ (Donnerstag). „Sie lohnt den Besuch, lohnt die Beschäftigung mit ihr. Auf hoch respektable Weise setzt sie die Geschichte des stolzen Ausstellungsformats fort.“ (vbs/dpa/red)

Quelle: mydocumenta

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