Leihgabe aus Wien

Himmelsbote im Fridericianum: Stück des Meteoriten El Chaco auf der d13

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Großes Besucherinteresse: documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev und Professor Anton Zeilinger richten im Fridericianum die Vitrine für das Meteoriten-Stück ein.

Kassel. Jetzt hat es doch noch geklappt mit dem Ausstellungsstück aus dem All: Am Samstag präsentierte die documenta im Fridericianum ein Stück vom Meteoriten El Chaco im Raum des Wiener Quantenphysik-Professors Anton Zeilinger.

Die knapp bierdeckelgroße Scheibe wurde unter großem Besucher- und Medieninteresse in einer neuen Vitrine auf einem Experimentiertisch des Naturwissenschaftlers aufgebaut.

documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev skizzierte in einer kurzen Ansprache die Bemühungen der documenta-Künstler Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg, die ursprünglich den ganzen, 37 Tonnen schweren Brocken nach Kassel holen wollten, was am Protest der argentinischen Ureinwohner scheiterte.

„Die documenta will nicht trennen, sondern verbinden“, betonte Christov-Bakargiev und dankte dem Wiener Physiker, dass er es durch seine persönlichen Kontakte möglich gemacht hat, wenigstens ein Stück des Himmelsboten in Kassel zu präsentieren. Das hatte das Wiener Naturhistorische Museum 2004 von einem privaten Sammler gekauft.

Das Museum beherbergt eine der größten Sammlungen von Meteoritenstücken - man interessierte sich bereits um 1800 für das Thema, als zum Beispiel in der Französischen Akademie noch die Meinung vorherrschte, es könne keine Meteoriten geben, denn Steine fielen nicht vom Himmel. Die Bewohner jener Gegend Argentiniens, wo El Chaco zur Erde gestürzt war, waren sich demgegenüber schon vor 5000 Jahren bewusst, dass es Meteoriten gibt: Sie nannten ihren Landstrich „Feld des Himmels“.

Wertvoll: Eine Scheibe von El Chaco.

Eisenmeteoriten waren in früheren Epochen unendlich wertvoll, erklärte Zeilinger im Gespräch mit unserer Zeitung, weil es auf der Erde kein derart reines Eisen gab. Zeilinger und sein Team von der Wiener Universität planen derzeit ganz entgegen der Fallbewegung des Meteoriten ein Projekt, für das sie die Erde verlassen werden: Sie wollen im Orbit mit einem Satelliten experimentieren. Bis zum Ende der documenta werden aber stets zwei Teamkollegen Besuchern im Fridericianum die Experimente erklären, die dort tatsächlich ablaufen – „das sind keine Simulationen“, sagt Zeilinger.

Der Meteorit, den Zeilinger in einem Schächtelchen in seiner Hosentasche mitbrachte und nur mit Handschuhen berührte, liegt nun unter einer Plexiglashaube zwischen seinen Versuchsanordnungen - allerdings nicht leicht zu erkennen, da schwarz auf schwarzem Untergrund. Wer außerirdisches Gestein anfassen will: In der Orangerie liegt als Teil der Kasseler Sammlung vor dem Eingang zum Planetarium ein Eisenmeteorit aus Arizona zum Berühren.

Von Bettina Fraschke

Quelle: mydocumenta

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