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Hinter den Kulissen der documenta fifteen: Colin Lacmann leuchtet documenta-Kunst aus

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Von: Josefin Schröder

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Colin Lacmann zeigt seinen documenta-Mitarbeiterausweis.
Kunstwerke ins richtige Licht gestellt: Colin Lacmann aus Wolfhagen hat bei der documenta im „Team Licht“ gearbeitet. Er hat dafür gesorgt, dass die Kunstwerke richtig ausgeleuchtet sind. © Clara Pinto

Im Projekt 100 Tage stellen wir junge Kasseler vor, die sich mit der documenta beschäftigen. Colin Lacmann arbeitet hinter den Kulissen der documenta.

Kassel – „Licht machen“ – daran hatte Colin Lacmann nicht gedacht, als er sich für einen Job bei der documenta fifteen bewarb. Der 23-Jährige sollte eigentlich als Handwerker bei der Kunstschau eingesetzt werden.

So wie sein Freund, der ihm den Job vermittelte. Wegen Personalmangel kam Colin ins „Aufbauteam Licht“ und konnte damit erst mal nicht viel anfangen. Jetzt ist er froh darüber.

„Ich habe dadurch eine neue Branche kennengelernt. Außerdem hat unser Team in fast allen documenta Venues gearbeitet. Überall wo ich war, konnte ich Kontakte knüpfen“, sagt der gelernte Gärtner über die vergangenen vier Wochen.

Colin Lacmann hat documenta-Kunstwerke ausgeleuchtet: „Licht muss man fühlen“

Dass er keine Vorerfahrung in dem Bereich hatte, machte nichts. „Licht muss man fühlen“, sagt Colin. Ästhetisches Bewusstsein und das richtige Fingerspitzengefühl würden dabei helfen, die Kunstwerke ideal auszuleuchten.

Porträt, Skulptur oder Installation – jedes Kunstwerk müsse unterschiedlich beleuchtet werden. Flut- oder Spotlicht? Lichtstrahl oder lieber Kegel? Besser mit oder ohne Filter? Die Ausleuchtungsmöglichkeiten seien so vielfältig wie die Kunst selber, erklärt der junge Lichtmacher.

„Manche Künstler haben konkrete Vorstellungen und machen Vorgaben. Zum Beispiel wie hell oder dunkel es in den Ausstellungsorten sein soll. Bei dem sogenannten Pre-Lightening-Check wird die fertige Lichtinstallation geprüft und vom Chef freigegeben. Manchmal sind auch die Künstler dabei.“

documenta-Mitarbeiter: Seit Eröffnung viele Überstunden

Vor der documenta Eröffnung endeten Colins Arbeitstage auch mal nach Mitternacht. Die Überstunden wurden zwar vergütet, aber sie häuften sich. „Das war anstrengend, aber ich habe es gerne gemacht“, sagt der Wolfhager.

Seinen Kollegen sei es ähnlich gegangen. „Alle wollten das Gleiche und waren vom ersten bis zum letzten Tag motiviert. Wir haben uns gegenseitig angespornt“, sagt er. Als gelernte Kraft erhielt Colin 17,50 Euro die Stunde, fünf Euro mehr als ungelernte Arbeitskräfte. 19 Euro bezahle die documenta Selbstständigen. Er ist zufrieden mit der Bezahlung. Hinter den Kulissen der Kunstausstellung zu arbeiten, war für Colin „inspirierend und voller spannender Begegnungen“.

Hinter den Kulissen: Colin Lacmann lernte viele Künstler kennen

Durch die Arbeit lernte er Künstlerkollektive und Kuratoren aus Indonesien, England und den USA kennen. Oft hätten sie nach Feierabend zusammen gesessen, abgehangen – nongkrong eben. Kollektiv, integrativ, nahbar. Den Spirit der diesjährigen documenta habe man deutlich gespürt, sagt Colin.

Seine Lieblingsvenue ist das Untergeschoss des Hübner-Areals, Ausstellungsort des indischen Künstlers Amol k Patil. Colin erinnert sich noch gut an den einstigen Keller mit grellen Leuchtstoffröhren. Inzwischen wirkt der Raum durch viele, warme Lichtquellen stimmungsvoll, gemütlich. Einzelne Lichtkegel setzen die Kunstwerke in Szene.

Arbeiten bei der documenta: 23-Jähriger über seinen Job

An der neuen Beleuchtung hat Colin zusammen mit einem Kollegen zwei Tage lang gearbeitet. Der neue Arbeitsvertrag beginnt für Colin im August. Einen Monat lang wird er dafür sorgen, dass auf der documenta alles so leuchtet, wie es soll und – wenn nötig – Glühbirnen austauschen. Dafür wird er die einzelnen Ausstellungsorte abfahren und auf Abruf erreichbar sein.

Der 23-Jährige ist sich sicher: Bei der nächsten Kunstausstellung in fünf Jahren, will er wieder dabei sein. Und in der Zwischenzeit? „Jetzt will ich Architektur studieren“, sagt Colin. Für ihn sei das die perfekte Mischung aus Kunst, Gestaltung und Handwerk – so wie seine Arbeit bei der documenta. (Josefin Schröder)

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