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Hinter den Kulissen der documenta fifteen: Ausstellung zeigt Film von Vedad Kapo

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Von: Amir Selim

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Vedad Kapo vor dem Fridericianum
Vedad Kapo vor dem Fridericianum, wo er als Aufseher bei der documenta arbeitet. Hier nahm er Kontakt zum Kollektiv Cinema Caravan auf. © Amir Selim

Im Projekt 100 Tage stellen wir junge Kasseler vor, die etwas bewegen wollen - wie Vedad Kapo. Sein Film „Zu Subtil“ ist auf der documenta zu sehen.

Kassel – Joseph Beuys, Pablo Picasso und jetzt Vedad Kapo aus Kassel – Sie alle waren oder sind Teil der documenta. „Ich bin jetzt mit dabei“, sagt der Kunststudent aus der Filmklasse stolz. Kapos Film „Zu Subtil“ läuft im Programm des japanischen Open-Air-Kino-Kollektivs Cinema Caravan.

„Ich war überrascht“, sagt Kapo über die Möglichkeit, seinen Film auf der Kunstausstellung zeigen zu können. Er habe zunächst als Aufseher vor dem Fridericianum angefangen. Dort musste er Tickets am Einlass kontrollieren, Leute davon abhalten die Werke anzufassen und bei Fragen den Gästen Rede und Antwort stehen.

Nachdem er einige Tage als Aufseher gearbeitet hatte, setzte er sich ein Ziel: Sein Film soll auf der documenta zu sehen sein. Also schnappte sich der 32-Jährige sein Handy und zeigte den Mitgliedern von Cinema Caravan einen Ausschnitt aus dem Film. „Ihr macht coole Sachen. Ich aber auch“, habe Kapo zu ihnen auf Englisch gesagt. Während der Vorstellung kamen immer mehr Leute dazu. „Was machst du morgen Abend?“, fragten die Künstler den Studenten. Sie würden den Film in ihr Programm aufnehmen. „Ein intensiver Glücksmoment.“ So beschreibt Kapo das Gefühl, als ihm das Angebot gemacht wurde.

Der Filmtitel

Der Titel „Zu Subtil“ bezieht sich auf Machart des Films. Denn im Film zeige Kapo, wie er seine Umwelt wahrnimmt. „Ich möchte die Leute in eine andere Welt eintauchen lassen. Ich gehe von meiner eigenen Empfindsamkeit aus und konfrontiere die Zuschauer damit. Aus dem Erlebnis sollen sie mit Fragen rausgehen.“ Denn im Film selbst sind keine klaren Botschaften zu sehen. Stattdessen werden die Eindrücke und Gefühle des Studenten gezeigt. Am Ende stellt sich Kapo die Frage, ob sein Film „Zu Subtil“ sei.

Der Film

Als Beispiel nennt der Kunststudent eine Szene aus dem Bergpark, wo er „schöne Blätter“ gefilmt habe. Im Hintergrund seien tote Bäume zu sehen. Damit wolle er den Zeitgeist wiedergeben, aber auch auf die Klimakatastrophe hinweisen: „Die Menschen wollen was Schönes. Das Unschöne wollen sie nicht oder lassen es weg.“

Auch die Beziehung zwischen Träumen und der Realität ist Thema. „Ist die Realität wirklich real?“, fragt sich Kapo im Film. Angelehnt sei diese Idee an dem Film Matrix, einem seiner Lieblingsfilme, in dem der Protagonist in einer Scheinrealität lebt.

Zwei Jahre lang habe er alleine an dem Film gearbeitet. Zu Beginn sei die Stimmung finster. Hier orientiert sich Kapo an düstere Science-Fiction-Filme wie Blade Runner. Das solle die Lockdown-Zeit symbolisieren. Dann geht es passend zum Ende des Lockdowns „raus an die Sonne“, erklärt er. Der Film habe dann lustige Momente. Deshalb beschränke er sich nicht auf ein Genre.

Die Vergangenheit

Im Film verarbeitet der 32-Jährige auch Szenen aus seiner Kindheit. Seine Mutter ist mit ihm und seiner Schwester nach Deutschland gekommen, als Kapo zwei Jahre alt war, erzählt er. Sie flohen wegen des Jugoslawien-Kriegs aus Bosnien. „Ich bin froh, in Deutschland zu sein.“ Das wolle er in seinem Film ebenfalls thematisieren. In Deutschland gehe es den meisten Menschen gut. Das sei nicht überall so selbstverständlich, sagt Kapo.

Als alleinerziehende, arbeitende Frau hatte seine Mutter zu tun und nicht viel Zeit für ihre Kinder. Deshalb waren Filme für Kapo eine Zuflucht. Ob Hollywood-Filme, Comics oder deutsche Filme – Kapo guckte sich alles an.

Das machte er auch, als er in Kassel bei einem Kino arbeitete. Dort durfte er zwar nur Tickets und Essen verkaufen und putzen. Dafür konnte er Filme kostenlos schauen. „Ich habe mich vor und nach meiner Schicht und in den Tagen dazwischen in alle möglichen Filme reingesetzt.“ Zur gleichen Zeit hat er am Staatstheater als Statist, Schauspieler und Tänzer gearbeitet.

Die Zukunft

Jetzt steht sein Masterabschluss an der Kunsthochschule Kassel an. Dafür entsteht ein 60- bis 90-minütiger Spielfilm. Große Träume hat der 32-Jährige: Er möchte Regisseur werden. Wenn es möglich wäre, dann würde er es gerne bis nach Hollywood schaffen. Zuerst will er den Kontakt zu Cinema Caravan vertiefen. Am liebsten in Japan. Dort würde er gerne ein Auslandssemester machen.

(Amir Selim)

hna.de/100-tage-documenta

Das japanische Open-Air-Kino Cinema Caravan

Als Open-Air-Kino zeigt das japanische Kollektiv Cinema Caravan Filme. Die Kunst wandert von Ort zu Ort. Zuerst war sie auf der Karlswiese, jetzt ist sie im Fridericianum zu sehen. Thematisch beschäftigen sich die Filme mit der Umweltkrise und nicht enden wollenden Interessenkonflikten, heißt es auf der Homepage der documenta. Das Kollektiv stellt mit dem Künstler Takashi Kuribayashi aus, der sich mit Fukushima nach dem Nuklearunfall beschäftigt. ams/lkr

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