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Illegal aufgestelltes Kunstwerk wurde aus Kasseler Karlsaue entfernt

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Von: Bastian Ludwig

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Hier stand sein Kunstwerk: Gernot Ehrsam am Rande des Aueteiches, wo er am Freitagabend heimlich sein Bild aufgebaut hatte.
Hier stand sein Kunstwerk: Gernot Ehrsam am Rande des Aueteiches, wo er am Freitagabend heimlich sein Bild aufgebaut hatte. © Bastian Ludwig

Das illegale Kunstwerk in der Karlsaue wurde von der MHK entfernt. Es sollte eine Solidaritätsbekundung an Taring Padi sein.

Kassel – Am Mittwoch trieb den Erfurter Bildhauer Gernot Ehrsam vor allem eine Frage um: „Wo sind meine Götter?“ Der 55-Jährige wollte sich mit dem umstrittenen Künstlerkollektiv Taring Padi solidarisieren und gleichzeitig ein Zeichen gegen Antisemitismus und Faschismus setzen.

Dazu hatte er in der Nacht zu Samstag ein 20 Quadratmeter großes Bild mit dem Titel „Johanniswunder“ in der Nähe des documenta-Kunstwerkes „Komposthaufen“ in der Karlsaue aufgebaut. Ehrsams Werk zeigte im Zentrum griechische und germanische Götter um einen Tisch sitzen. Doch nun wurde das Bild entfernt.

Ehrsam war bewusst, dass der Aufbau seines zehn Meter langen Bildes nicht legal war. Schließlich hatte er sich im Vorfeld weder mit der documenta noch mit dem Hausherrn der Karlsaue, der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), abgestimmt. Sein Werk sollte überraschen und eine Diskussion in Gang bringen. Wie die Götter müssten die Menschen zusammenrücken, um in den Austausch der Perspektiven zu kommen. Sein Bild ließ Freiräume zum Mitgestalten. Aus Ehrsams Sicht überlagert die Antisemitismusdebatte die insgesamt gelungene Weltkunstschau.

Der Bildhauer bekam unterschiedliche Resonanz auf seine Aktion: Zustimmung aber auch Ablehnung. „Einige fanden, mein Bild sei keine Kunst, sondern einfach nur peinlich. Aber bei Peinlichkeit fängt Kunst an. Es erfordert Mut, sich zu positionieren. Und wer von Peinlichkeiten spricht, ist im Spießbürgertum verankert. Joseph Beuys hätte mein Ansatz sicher gefallen“, glaubt Ehrsam.

Nachdem unsere Zeitung aber über die Guerilla-Kunst berichtet hatte, wurden documenta und MHK ebenfalls aufmerksam. Als sich Ehrsam am Mittwochmittag ein Eindruck von seinem Bild machen wollte, war es verschwunden. „Ich will herausfinden, wer es entfernen ließ“, sagt der 55-Jährige. „In jedem Fall hat es jemanden gestört. Damit hat es für eine Wirkung gesorgt.“

Gerne wäre er in den Dialog mit der documenta getreten. Dass sich vor der Entfernung seines Bildes niemand mit ihm in Verbindung gesetzt hat, findet er bedauerlich. „Im Prinzip ist das Diebstahl. Es ist mein Eigentum“, sagt Ehrsam. Er hofft, dass er das Werk zurückerhält.

Die MHK teilt auf HNA-Anfrage mit, dass das Kunstwerk in Rücksprache mit der documenta am Mittwochmorgen entfernt worden sei. Die Installation sei ohne Genehmigung und Zugangsmöglichkeit mitten im Park aufgestellt worden. Um eine Gefährdung zu vermeiden und Nachahmer nicht dazu zu animieren, sich vergleichbar zu verhalten, sei die Entscheidung getroffen worden. Das Bild sei im Parkbetriebshof eingelagert. (Bastian Ludwig)

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