Verlosung am Freitag

Im Dickicht des Nichtverstehens: Zeitschrift widmet sich der documenta 14

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Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Marta Minujíns Parthenon gilt auch dem Magazin „Kunstforum“ als ein zentrales Werk der d14 – durch die Partizipation der Bücher-Spender und als „bildliche Klammer für die Austragungsorte Kassel und Athen“.

Kassel. Welche überwältigende Menge an Standorten – inklusive Athen sind es weit über 60 – die documenta 14 bespielt, macht der Sonderband der Zeitschrift „Kunstforum international“ anschaulich.

Die d14-Doppelausgabe August/September der 1973 gegründeten „aktuellen Zeitschrift für alle Bereiche der Bildenden Kunst“ hat einen enzyklopädischen Anspruch. Alle „Venues“, wie es neudeutsch heißt, selbst die kleinsten, wurden systematisch fotografiert. Deshalb wächst der Band, weil er auch Besprechungen der Skulptur Projekte Münster und weiterer aktueller Ausstellungen enthält, auf über 600 Seiten an. Die Aufnahmen sind mit „Wahrnehmungshilfen“ versehen, die Orientierung und Verständnis erleichtern.

Vor allem aber wird das „Kunstforum“ wieder als Bildband und Nachschlagewerk über die Dauer der Ausstellung hinaus Bestand haben. Zudem gibt es neun Künstlergespräche sowie Interviews mit vier Kuratoren, und unter der Überschrift „Analyse“ sind sieben Essays zu lesen.

Sie gehen teils hart mit der Generalanklage der documenta gegen Neoliberalismus, Nationalismus, Faschismus und weißen Heterosexualismus ins Gericht. Immerhin, dem künstlerischen Leiter Adam Szymczyk wird attestiert, er halte sich nicht aus einer ihm gelegentlich unterstellten Arroganz heraus wortkarg bedeckt. Wie er seinen Kuratoren Freiheiten eingeräumt habe, wolle der stoische Schweiger auch die Besucher nicht an die Hand nehmen. Er traue ihnen zu, sich im chaotischen Geflecht der Schau selbst den „Weg durch das Dickicht des Nichtverstehens zu bahnen“.

Autor Heinz-Norbert Jocks glaubt, die Zukunft werde entscheiden, inwieweit die d14 die Latte ihres imposanten emanzipatorischen Anspruchs zu hoch gelegt habe: „Wichtig ist aber schon jetzt, dass er überhaupt erhoben wird.“

„Alle Macht den Besuchern zu geben, ist eine schöne Geste, aber keine Lösung für die Aufgabe, eine Großausstellung zu bestücken“, urteilt hingegen Hajo Schiff und beklagt „Beliebigkeit“ und eine „fragwürdige Indienstnahme“ der Kunst, die zu reinen Theoriebelegen degradiert werde. Im Wunsch, die Ausstellung zum kulturellen Lernprojekt zu machen, liege „die Utopie, aber auch die leicht paternalistische Arroganz dieser documenta“.

Dass auch die d14 mit ihrem „Überforderungs- und Überbietungsprogramm“ sich nicht gegen das „Gesetz der Eventisierung“ stemmen kann, beschreibt Max Glauner. Jürgen Raap schildert, wie Kassel in Sachen Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung vom Standort Athen „sogar recht deutlich profitiert“.

Michael Hübl befasst sich mit der Rolle von Künstlern als Ersatzpriester. In Kassel komme das Feld der Fürsorge hinzu: „Stellenweise präsentiert sich die d14 als karitative Einrichtung, derer sich sonst etwa barmherzige Schwestern oder die Bahnhofsmission befleißigen.“ Und weiter: „Wer Kunst sucht, wird Sozialarbeit finden.“ Alles ethisch einwandfrei – man könne mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, auf der richtigen Seite zu stehen.

Schmerzlich vermissen muss man das Urteil des Kasseler Kritikers Dirk Schwarze. Der kürzlich verstorbene langjährige HNA-Ressortleiter hatte lange für „Kunstforum“ geschrieben. Den Beitrag zur d14 konnte er nicht mehr liefern.

Verlosung am Glückstelefon

Wir verlosen fünf d14-"Kunstforum"-Sonderausgaben. Wer einen Band erhalten will, sollte noch am Freitag das HNA-Glückstelefon mit der Nummer 01379 / 69 96 60 anrufen und das Stichwort Kunstforum nennen. Der Anruf aus dem Festnetz kostet 50 Cent, Mobilfunk ist teurer. Anbieter ist die Telemedia Interactive GmbH. Die Namen der Gewinner werden in der Zeitung veröffentlicht, die Exemplare der Zeitschrift per Post verschickt. Kunstforum international, 608 Seiten, 39,80 Euro plus Versand, www.kunstforum.de, auch im Buchhandel erhältlich.

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