Impressionen: Ein Sonntagsspaziergang über die documenta

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Mao sagt: Wenn die Sonne dedr Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten

Kassel. Auf der Gustav-Mahler-Treppe spielt ein Harfenist, vor dem Fridericianum baut eine Malerin ihre Staffelei auf und in einem Zelt in der Aue werden Tee und Couscous gereicht. Dazwischen erfreuen sich teils extravagant gekleidete Besucher aus aller Welt an der Kunst.

Wie Urlaub am Meer: Die Karlswiese vor der Orangerie am Sonntagmittag

Es scheint ganz, als würde sich die innere Ruhe und Kraft dieser 13. documenta auf die Besucher übertragen. Von Hektik und Gedrängel keine Spur, was natürlich auch der Weitläufigkeit der Ausstellung zu verdanken ist. Trotzdem sind alle Parkplätze in der Innenstadt, an der Schönen Aussicht und entlang der Karlsaue besetzt. Demnach müssen ein paar Tausend Menschen an diesem ersten documenta-Sonntag unterwegs sein.

Besucher auf der documenta 13

Bilder vom ersten documenta-Wochenende

Zu ihnen zählen auch Georg aus Nürnberg und Wolfgang aus München, die man unschwer als Fußballfans erkennt. Das documenta-Eröffnungswochenende wollten sie sich nicht entgehen lassen. Am Samstagabend haben sie das EM-Spiel Deutschland gegen Portugal beim Public Viewing im Auestadion angeschaut. Die Stimmung unter den 3500 Besuchern sei bombastisch gewesen.

Kunst und TÜV

Stiller Protest: Die documenta-Aktion von Robin Kahn

Vor der documenta-Halle steht Otto Weymann mit einem mausgrauen alten VW-Käfer. Bei näherer Betrachtung entdecken wir am Seitenfenster eine Begutachtung, nach der es der älteste zugelassene Käfer der Welt ist. Am 20. Mai 1942 wurde er zugelassen. Auf die Frage, was er mit dem Auto vor der documenta-Halle mache, antwortet Weymann: "Es ist doch auch eine Kunst, ein Auto 70 Jahre durch den TÜV zu bringen."

Ein paar Meter weiter treffen wir auf zwei Chinesen der Arbeiterklasse. Dies sollen zumindest ihre Anzüge suggerieren, die ebenso mausgrau sind wie der alte VW. Ob es tatsächlich Arbeiter sind, Revolutionäre, Spione oder Künstler, das lassen die beiden absichtlich offen.

Während sich auf der Friedrichsplatzwiese Anhänger der Blockupy-Bewegung in mitgebrachten Zelten niederlassen und friedlich demonstrieren, werden in einem Zelt auf der Wiese vor der Gustav-Mahler-Treppe afrikanisches Essen und Tee gereicht.

Couscous und Diskussionen

"The Art of Sahrawi Cooking" heißt die Aktion von Robin Khan, der zur documenta ein typisches Flüchtlingszelt aufgebaut hat, in dem Frauen aus der West-Sahara-Region die Gäste bekochen und mit ihnen über die Flüchtlingsproblematik diskutieren.

Kein lauter, aber ein nahegehender Protest, ganz im Sinne dieser documenta. (wd)

Quelle: mydocumenta

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