Von Indianern und Aborigines: Neue Notizbücher der documenta

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Breites Spektrum: Die Verfasser reichen von Thomas Mann über Salvador Dalí (Foto) bis zum norwegischen Künstler Matias Faldbakken.

Kassel. „Gestatte deinen Händen umherzuschweifen, lass sie machen ... und tu dasselbe mit deinen Augen und deinem Geist.“ So bewirbt die documenta 13 die neuen Folgen der Notizbücher, die in diesen Tagen als Nummern 34 bis 55 in der Reihe „100 Notizen - 100 Gedanken“ erscheinen: Faksimiles, Künstler-Porträts, in Auftrag gegebene Essays.

„Macht man eine Notiz, dann situiert man sich“, heißt es im einleitenden, sperrigen Text weiter. Eine Notiz bedeute, dass ein Subjekt bereit sei, „das Unsichere, alles, was jetzt noch nicht da ist, innerhalb einer achtsamen Gegenwart zu fassen“. Diese Spuren von Einfällen, die Erfahrungen, die ihnen innewohnten, wollten von diesem vorläufigen Standpunkt aus verbreitet werden: „Eine Notiz hofft.“

Wieder sind es Autoren unterschiedlicher Disziplinen, neben Künstlern also Schriftsteller wie Dietmar Dath, Medientheoretiker wie Boris Groys bis hin zum Agrarökologen George Chan („Traumfarmen“), deren Texte in drei Formaten (A6, A5, B5) auf je 16 bis 48 Seiten als gedruckte und E-Book-Ausgabe bei Hatje Cantz erscheinen. Vertreten ist auch die künstlerische Leiterin. „Über die Zerstörung von Kunst - Oder Konflikt und Kunst, oder Trauma und die Kunst des Heilens“ ist der Vortrag, den Carolyn Christov-Bakargiev kürzlich in der Kasseler Kunsthochschule gehalten hat.

Der Vize-Direktor der Londoner Serpentine Gallery, Hans Ulrich Obrist, porträtiert den Dichter der französischsprachigen Karibik, Édouard Glissant (1928-2011). Vorgestellt wird auch Aborigines-Künstler Butcher Joe (1902-1989). Handschriftliche Notizen gibt es von Künstlerin Ida Applebroog, aus Walter Benjamins berühmtem „Passagen-Werk“ sowie von Jimmie Durham. Der Cherokee hat in der Kasseler Karlsaue Apfelbäume für die documenta gepflanzt.

Der Norweger Matias Faldbakken, der 2010 im Fridericianum in Kassel ausgestellt hat, protokolliert seine Google-Bildrecherchen, die als eine Art unbewusster Textproduktion einen Querschnitt seines Denkens deutlich machen sollen.

Veröffentlicht werden Briefe von Thomas Mann, die der Nobelpreisträger zum „Doktor Faustus“ an Theodor W. Adorno geschickt hat, sowie unveröffentlichte Notizen von Salvador Dalí über dessen Faszination für die Wissenschaft und die Suche nach Unsterblichkeit.

Alle Titel: www.documenta.de, hatjecantz.de/documenta13

Quelle: mydocumenta

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