Information und Austausch: So arbeiten die Worldly Companions

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Führung eröffnet Einblicke: Fabian Fröhlich (Mitte) ist einer der 150 sogenannten Worldly Companions. Gestern führte er eine Gruppe durch die documenta-Halle, hier am Kunstwerk von Yan Lei.

Auch wenn einige der Kunst-Führer klagen mögen, dass sich der Job finanziell nicht rentiert: Aus Besuchersicht ist ein geführter Rundgang auf der documenta lohnenswert.

Ellen Wolff aus Göttingen machte am Donnerstag schon ihre zweite documenta-Führung. „Die erste hat uns so gut gefallen, dass wir heute noch eine gebucht haben“, sagt die 52-Jährige. „Man bekommt so einfach mehr mit.“ Diesmal sind sie und ihr Mann Teil einer 15-köpfigen Gruppe, die von Dr. Fabian Fröhlich durch documenta-Halle und Neue Galerie geführt wird.

Gleich im Foyer greift der Kunsthistoriker aus Kassel an den Arbeiten von Gustav Metzger das Leitmotiv der documenta „Zerstörung und Wiederaufbau“ auf. Metzger habe Kunstwerke geschaffen, die sich selbst zerstörten, um sich so der Kommerzialität des Kunstmarkts zu verweigern. Bei den ausgestellten Zeichnungen handele es sich um das noch nicht dieser Philosophie folgende Frühwerk – das paradoxerweise durch Stoffabdeckungen vor dem Verfall durch Lichteinstrahlung geschützt wird.

Vom Vortrag zum Gespräch

An den großformatigen Bildern von Julie Mehretu erklärt Fröhlich seinen Zuhörern, dass 45 Plätze aus aller Welt in den feinen Zeichnungen übereinandergelegt seien. Was könnten die verwischten dunklen Flecke bedeuten, fragt er die Gruppe nach Assoziationen. Etwas Zerstörerisches? Die Bewegung von Menschen? Noch ist die Gruppe recht zurückhaltend. Im Lauf des zweistündigen Rundgangs melden sich aber immer mehr Teilnehmer selbst zu Wort - die Führung wird vom Vortrag zum Gespräch. „Man hat auch mal eine Gruppe, die nichts sagen will“, erzählt der 40-Jährige. Ihm mache es aber auch mehr Spaß, wenn ein Austausch mit den Besuchern stattfinde.

Neben vielen Informationen gibt es auch die ein oder andere Anekdote. Vor den „Rosenkranz“-Motoren von Thomas Bayrle hätten schon Männer niedergekniet, erzählt Fröhlich. Typisch deutsche Technikverliebtheit oder akribisches Interesse am Kunstwerk? Das ist wie immer dem Betrachter überlassen.

Führungen (2 Std.) kosten für eine Einzelperson 11 Euro. Buchung: Tel. 0561/70 72 770.

Quelle: mydocumenta

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