Internationale Gäste beim Vorspiel zur documenta

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Die erste Schlange schon vor der offiziellen Eröffnung: Gestern hatten Hunderte von Pressevertretern die Gelegenheit, sich ein Bild von der Ausstellung zu machen. Die Aufnahme entstand vor dem Fridericianum.

Kassel. Er fühle sich in Kassel wie zu Hause, sagt er und lächelt. Bei einem Mann, der das auf Englisch formuliert und auf den Namen Chavalit Soemprungsuk hört, verwundert das schon etwas.

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Der freundliche Herr gehört zu dem großen Tross von Journalisten, die sich direkt nach der Pressekonferenz in der Stadthalle auf den Weg zum Fridericianum machten. Da kann die documenta noch so viele Standorte und Außeninstallationen haben, das Fridericianum bleibt dennoch die erste Anlaufstelle. Für Chavalit Soemprungsuk sowieso. Seit der documenta 3 im Jahre 1964 war er bei jeder der Kunstausstellungen. Deshalb, das kann er nach elf Besuchen für sich in Anspruch nehmen, fühlt es sich für den 73-Jährigen wirklich so an, als komme er nach Hause zurück. Seine Eindrücke wird der Thailänder für ein Kunstmagazin in Bangkok aufschreiben.

Ein anderer, der mit Kassel heimische Gefühle verbindet, ist Okwui Enwezor, der vor genau zehn Jahren Chef der documenta 11 war. Ganz entspannt und in Turnschuhen tauchte er im Foyer der Stadthalle auf und fiel erst einmal Bernd Leifeld, dem Geschäftsführer der documenta GmbH, um den Hals. Es sei so schön, einfach nur als Gast zu kommen und keine Verantwortung zu haben. Seiner Nachfolgerin wünsche er den größtmöglichen Erfolg. Er habe den Eindruck, dass Carolyn Christov-Bakargiev eine der wichtigsten documenta-Ausstellungen überhaupt auf die Beine stelle.

Wie das internationale Publikum die documenta wahrnimmt, hängt auch von Menschen wie Roberta Smith ab. Seit 25 Jahren schreibt sie für die New York Times. Sie war bereits bei früheren Ausstellungen in Kassel. Schloss Wilhelmshöhe kennt sie, weil da vor fünf Jahren die Reisterrassen waren. Ansonsten hat sie außer den Ausstellungsorten nicht viel von Kassel mitbekommen.

Es sei kaum zu glauben, dass eine Stadt dieser Größe die bedeutendste Ausstellung für moderne Kunst ausrichte, sagt die Frau aus der amerikanischen Metropole. Kassel bekomme das beeindruckend hin. „Darauf können Sie stolz sein“, sagt der Gast aus New York. Nur das Wetter müsse jetzt noch besser werden.

Das findet auch Chi Han Lam, der aus Hongkong angereist ist. Bereits am Vortag nach der Ankunft in Frankfurt habe er sich eine dicke Jacke gekauft. Der 25-Jährige schreibt für ein Kunstmagazin in seiner viel wärmeren Heimat und freut sich trotz der kühlen Temperaturen auf seine erste documenta.

Die ist auch für eine Gruppe aus Brasilien ein großes Abenteuer. Fotografin Eide Feldon macht Bilder für ein Magazin in Sa˜o Paulo, Alex Flemming pendelt zwischen Berlin und dem Zuckerhut. Wenn es etwas gibt, für das er sich noch mehr interessiert als die Kunst, dann ist das Fußball. Er hebt seine rechte Hand und spreizt die Finger. Alle fünf, einen für jeden WM-Titel Brasiliens.

Von Thomas Siemon

Quelle: mydocumenta

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