Interview: 3Sat-Moderatorin Cécile Schortmann über documenta im Fernsehen

Moderatorin: Cécile Schortmann präsentiert Kultursendungen für 3Sat und den Hessischen Rundfunk. Zur Berichterstattung über die documenta besuchte sie Kassel. Im Interview gibt die Journalistin Tipps für den Besuch der Weltkunstschau. Foto: zdf

Cécile Schortmann moderiert bei 3Sat die Sendung „Kulturzeit“. Dort wird immer montags ein Kunstwerk der documenta vorgestellt. Wir sprachen mit der Journalistin über die Weltkunstschau und die Vermittlung von Kunst im Fernsehen.

Was ist Ihr Lieblingskunstwerk auf der documenta?

Cécile Schortmann: Das Hugenottenhaus. Wenn man erst das verfallene Gebäude sieht und dann merkt, wie es mit Leben gefüllt ist, ist das sehr beeindruckend. Als ich dort war, gab es gerade eine Live-Performance mit Musik. Es kommt dem Begriff der Sozialen Skulptur im Beuysschen Sinne sehr nah.

Welche Eindrücke haben Sie von Kassel gesammelt?

Vor dem Fridericianum: Cécile Schortmann moderierte ein „Kulturzeit“-Special zur Eröffnung der documenta. Foto: Screenshot/HNA

Schortmann: Ich liebe Kassel, ich komme gern dahin. Auch wenn es außerhalb der documenta-Zeit ein bisschen verschlafen ist. Alle fünf Jahre zur Weltkunstschau herrscht dann eine besondere Atmosphäre. Ich staune bei der documenta, wie offen und bereit die Leute sind, sich Kunst erklären zu lassen und sich dann auch darauf einlassen.

Sie hatten in einer 3Sat-Sondersendung zur Eröffnung der documenta ein Interview mit Carolyn Christov-Bakargiev geführt. Wie haben Sie dieses Interview empfunden?

Schortmann: Es war ein sehr lebendiges Gespräch. Wir haben mit ihr in der Karlsaue gesprochen. Da, wo sie mitten in der Kunst war, die ihren Vorstellungen entspricht. Als sie das Becken mit Kaulquappen von Pierre Huyghe sah, wurde sie ganz euphorisch und rief „Worlding, Worlding“. (engl. „Es entsteht eine neue Welt.“) Christov-Bakargiev hat Leute begrüßt und war nicht hochkonzentriert auf dieses Interview. Diese Begegnung hat viel von ihrem Kunstverständnis gezeigt. Sie hat einen sehr umfassenden Ansatz, und Natur ist ihr sehr wichtig.

Ist die Karlsaue der Schlüssel zum Verstehen der Weltkunstschau?

Schortmann: Die Dimensionen der Karlsaue waren mir anfangs nicht klar, sie ist riesig. Alle paar Hundert Meter in eine neue Hütte zu stolpern, mir kam es vor, wie ein Zauberwald, in dem man immer einen neuen Kosmos entdeckt. Das fand ich in Verbindung mit der Natur sehr schön. So habe ich mehr vom Konzept der documenta verstanden als im Fridericianum. Ich würde jedem empfehlen, die documenta von rückwärts zu beginnen, von der Aue aus und erst dann erst in die Museen zu gehen, ins Fridericianum und so weiter. Ich empfehle bequeme und feste Schuhe. Ich hatte bei meinen Besuch Gummistiefel dabei.

Haben Sie noch weitere Tipps für die Besucher der Weltkunstschau?

Schortmann: Man sollte die Frage, was Kunst ist, aus seinem Kopf streichen. Denn damit verdirbt man sich einfach nur den Spaß. Wichtig ist, ob das, was man sieht, einem etwas gibt, einem die Augen öffnet. Es ist keine hochintellektuelle, sperrige documenta. Mit ein paar Erklärungen lassen sich die Kunstwerke verstehen.

Für welches Publikum gestalten Sie das Kunstprogramm Ihrer Sendung?

Schortmann: Wir haben den Anspruch, möglichst viele für die Kunst zu begeistern. Wir stellen Kunstwerke vor und wollen den Blick der Leute öffnen. Dabei gehen wir auf Kunstexperten und Laien ein.

Wie vermitteln Sie moderne Kunst im Fernsehen ?

Schortmann: Künstler wollen ihre Werke nicht immer übersetzen. Wichtig ist es, dass wir in unserer Sendung den Künstler vorstellen. Viele Leute akzeptieren Künstler besser, wenn sie sehen, dass diese auch handwerklich etwas können, oder wenn sie den Hintergrund zu einem Werk verstehen. Erklären und übersetzen ist wichtig, ohne die Werke totzureden. Man muss der Kunst auch noch ihr Geheimnis lassen.

Welche Werke werden die Zuschauer bei „Kulturzeit“ noch zu sehen bekommen?

Schortmann: Werke, die uns in der „Kulturzeit“-Redaktion als spannend erscheinen. Manchmal hat das aber auch pragmatische Gründe, zum Beispiel: Kann man das gut filmen oder ist der Künstler gerade in Kassel vor Ort?

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: mydocumenta

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