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Japanischer Mönch ist nach drei Tagen im Erdloch zurück

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Von: Thomas Siemon

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Der mit Spannung erwartete Moment: Nach drei Tagen in einem mit Stroh bedeckten Erdloch kehrt der japanische Mönch Daizaburo Sakamoto zurück ans Tageslicht. Seine sechsjährige Tochter hat ihn geweckt.
Der mit Spannung erwartete Moment: Nach drei Tagen in einem mit Stroh bedeckten Erdloch kehrt der japanische Mönch Daizaburo Sakamoto zurück ans Tageslicht. Seine sechsjährige Tochter hat ihn geweckt. © Andreas Weber

Auch das ist documenta: Ein japanischer Mönch hat drei Tage und drei Nächte in einem mit Stroh abgedeckten Erdloch in einem Kasseler Kleingarten verbracht.

Kassel – Er hat es wirklich geschafft. Drei Tage und drei Nächte hat der japanische Mönch Daizaburo Sakamoto in einem mit Stroh abgedeckten Erdloch verbracht. In einem Kleingarten nahe der Fulda. Nahezu regungslos, ohne zu essen, ohne auf die Toilette zu gehen, nur mit einem kleinen Wasservorrat. Eigentlich kaum vorstellbar. Auch für den Besitzer des Kleingartens in Wolfsanger nicht, der das Gelände zur Verfügung gestellt hat. „Wirklich verstehen kann ich das nicht, aber er schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein“, sagt Marcel Bitzer.

Das traf wohl auch für die sechsjährige Kukuri, die Tochter des ungewöhnlichen Mönchs zu. Sie hat den Papa gestern kurz nach dem letzten Glockenschlag der Kirche von Wolfsanger um 18 Uhr geweckt. Traditionell in einen Kimono gekleidet und mit einer Art Rassel ausgestattet. Das war das verabredete Geräusch, das bis in das Erdloch vordrang. Mit einer Maske im Gesicht kam Sakamoto nach oben zurück ans Tageslicht. Und dann gab es erst einmal einen Schluck Reiswein für alle Gäste der Zeremonie. Kanpai, das japanische Wort für Prost, machte die Runde. Die zunächst noch andächtige Stimmung bei schönstem Sommerwetter am frühen Abend wurde dann immer lockerer.

Kein Wunder, denn als der in helle Tücher gekleidete Mönch nach drei Tagen unter der Erde wieder auftauchte, war das ein besonderer Moment. Wer dabei an eine Art Auferstehung dachte, lag bestimmt nicht falsch.

Für Sakamoto ist das Teil eines Rituals. In dem Erdloch existiere die universelle Kreativität der Menschheit, hatte er im Vorfeld gesagt. In seiner Heimat lebt der Mönch mit Frau und zwei Kindern am Fuß der Berge von Dewa Sanzan, einer viel besuchten Pilgerstätte. Er ist nach eigenen Angaben Künstler, Designer und betreibt ein Café.

Wie die Gruppe nach Nordhessen kam, ist übrigens typisch für die documenta. Der Kasseler Fotograf Andreas Weber, der den Kontakt für die HNA hergestellt hat, kann sich noch gut an das erste Treffen erinnern. Das war bei einer Party in den ehemaligen Hübner-Hallen. Dort verabschiedete sich ein großer Teil der indonesischen Künstlergruppe Jaiwangi Art Factory. Die Gruppe, die mit Tonerde arbeitet, hat die japanischen Künstler von „Living room for seed“ eingeladen. Bei der Party feierten sie schon mit. „Da habe ich meinen Fotografenkollegen Yumeto Ikegami kennengelernt“, sagt Andreas Weber. Beide haben auch gestern Fotos gemacht. Etwa 40 Menschen, darunter auch Zaungäste, verfolgten die Zeremonie. Alle waren zu einem Getränk und einer Reissuppe eingeladen.

Mit dem Ende dieser ungewöhnlichen Performance ist die künstlerische Umsetzung noch längst nicht abgeschlossen. Die Fotos von Sakamoto, der sich meditativ vorbereitete, dann in das Erdloch stieg, es von innen mit Stroh verschloss und nach drei Tagen wieder ans Tageslicht zurückkehrte, werden Teil einer Ausstellung.

Die ist dann am documenta-Standort an der Hafenstraße 76 zu sehen. Dort arbeiten die Japaner mit dem Netzwerk „Composting Knowledge“ zusammen. Zunächst aber wurde gestern erst einmal gefeiert. (Thomas Siemon)

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