Noch neun Tage bis zur documenta

Der Torwächter: Jörg Schikora ist Sicherheitsmann an einem documenta-Kunstwerk

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Der Sicherheitsmann an der Torwache: Jörg Schikora. 

Kassel. Vom Torhüter zum Torwächter: Jörg Schikora kümmert sich um die Sicherheit des documenta-Kunstwerks von Ibrahim Mahama.

Früher war Jörg Schikora Fußball-Torwart. In seiner Heimat Göttingen hütete er das Tor des SC Weende. Er war damals so etwas wie ein Elfmeterkiller, weil er oft ahnte, in welche Ecke der Schütze schießt. Die Quote der gehaltenen Strafstöße sei durchaus gut gewesen, berichtet der Mann, der heute 53 Jahre alt ist.

Schikora, der Torwächter. Das passt – und das hätte auch keiner besser erfinden können. Heute zählt der frühere Fußballer nämlich zu jenem Team der 15 Sicherheitskräfte, die vor und während der documenta 2017 dafür sorgen, dass die mittlerweile verhüllte Torwache gut beschützt wird. Das geschieht rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb.

Schikoras Schicht hat gerade begonnen, es ist 15 Uhr. Er steht jetzt an der Torwache und berichtet über das, was er schon erlebt hat in den vergangenen zwei Wochen als Torwächter. Er verfolgte die Aufbauarbeiten, die ja in erster Linie eine einzige Verhüllung waren. Er zeigt sich jetzt noch fasziniert davon, denn: „Bei 30 Grad über mehrere Stunden auf der Hebebühne zu stehen, ist ja auch nicht jedermanns Sache.“

Er hatte den besten Platz rund um die beiden Gebäude an der Wilhelmshöher Allee. Aber auch jetzt, wo alles verhüllt ist, wird ihm nicht langweilig. Allein, wenn er auf die Straße schaut und den Autoverkehr verfolgt, macht er interessante Beobachtungen: „Dass es noch nicht gekracht hat, wundert mich. Manche Autofahrer steigen voll in die Eisen, wenn sie die Torwache jetzt sehen. Sie ist ein Hingucker. Manche fahren fünfmal hintereinander am Objekt vorbei und fotografieren es aus dem Auto heraus.“

Aber auch auf dem Bürgersteig herrscht mitunter Hochbetrieb, erzählt Schikora: Manchmal stehen da bis zu 30 Leute und machen Bilder vom Kunstwerk des Ghanaers Ibrahim Mahama. Da muss er als Torwächter dafür sorgen, dass zum Beispiel Schulkinder ohne Probleme an der Torwache vorbeikommen.

Früher hat Schikora vornehmlich vor Diskotheken für die Sicherheit gesorgt, seit einem Jahr ist er jetzt bei der Firma Protex. Seine neueste Aufgabe macht ihm Spaß – auch weil er mit vielen Menschen ins Gespräch kommt. Er weiß nun, wie die Mehrheit über die Kunst an der Torwache denkt: „80 Prozent der Leute finden das Objekt sehr interessant, 20 Prozent meckern ein bisschen.“

Acht Stunden pro Tag steht Schikora hier, manchmal sitzt er auch auf seinem Klappstuhl, den er dabei hat. Manche seiner Kollegen sind sogar in einem Liegestuhl zu sehen. Die meiste Zeit ist er aber unterwegs: „Mein Job ist nichts für Fußkranke. Bewegen ist Pflicht. Ich weiß gar nicht, wie viele Meter ich am Tag mache.“ Wichtig ist: viel trinken, Obst essen – und bei der Hitze sich viel im Schatten aufhalten. Wenn es regnet, dient das eigene Auto als Schutz. So einfach ist das.

Ach ja, noch ein Foto mit Schikora. Die Fotografin sagt, sie mache einen Probeschuss. Schikora erwidert: „Schießen Sie mal.“ Jetzt steht er da wie ein Torwächter beim Elfmeter.

Hintergrund: Leitplanken in der City zum Schutz der Besucher

Etwa eine Million Besucher werden zur documenta erwartet. Damit sie auch unbesorgt von Kunstwerk zu Kunstwerk wandeln können, sorgt die Stadt für ihre Sicherheit. Konkret heißt das, dass ab kommendem Dienstag im Steinweg zwischen der Obersten Gasse und der AOK-Keuzung Leitplanken aus Beton aufgestellt werden. Damit sollen die vielen documenta-Besucher, die zum Friedrichsplatz als zentralen Ausstellungsort der Kunstausstellung strömen, vor dem Autoverkehr auf dem Steinweg geschützt werden. 

In Richtung Trompete/Weinberg werden die Leitplanken auf der rechten Autospur aufgestellt, die dafür gesperrt wird. In Richtung Altmarkt wird die Leitplanke auf dem Gehweg aufgestellt, sodass es zu keinen Behinderungen des Autoverkehrs kommen wird. Während der documenta wird in diesem Bereich Tempo 30 gelten. Sicher soll auch ein Besuch der verhüllten Torwache sein. Deswegen wird auch hier auf der Wilhelmshöher Alle zwischen Humbold- und Weinbergstraße stadteinwärts die rechte Fahrspur gesperrt. Auch dort wird eine Leitplanke aufgestellt. 

Da auf der gegenüberliegenden Straßenseite Platz genug ist, wird dort nichts verändert. Tempo 30 gilt zur documenta auf beiden Seiten.

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