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Junge Union möchte den Wirtschaftsstandort Nordhessen stärken

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Von: Amir Selim

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zwei junge Männer vor einem Baum auf einer Wiese
Nordhessen als wirtschaftlich starker Ort: Vincent Koch und Max Schäfer haben klare Vorstellungen, wie sie das angehen. © Amir Selim

Im Projekt „100 Tage“ stellen wir junge Kasseler vor, die etwas bewegen wollen. Diese Woche beschäftigen wir uns mit jungen Politikerinnen und Politikern. Heute: die Junge Union.

Eins stellen Max Schäfer (19), Vorsitzender der Jungen Union Kassel, und Vincent Koch (20), Schatzmeister der Jugendorganisation, klar: „Wir denken nicht so utopisch. Politik muss für uns realisierbar sein.“ Deswegen stehe Realpolitik bei ihnen im Vordergrund. Dabei gehe es darum, zentrale Fragen zu beantworten: „Wohin wollen wir? Was wollen wir in Kassel Stadt und in Nordhessen erreichen?

Den Wirtschaftsstandort Nordhessen verbessern

Einen Schwerpunkt legt die Jugendorganisation auf das Thema Wirtschaft. Es gelte, den Wirtschaftsstandort Kassel und Nordhessen zu stärken, sagt Schäfer, der in Würzburg Jura studiert. Die besondere Lage in der Mitte Deutschlands würde das begünstigen. Außerdem müsse der Flughafen Kassel-Calden noch besser genutzt werden. Es gebe viel Kritik an dem regionalen Flughafen, die sie unverständlich fänden. So zum Beispiel die Frage nach den Kosten. Das sei zu betriebswirtschaftlich gedacht. „Der Flughafen sollte volkswirtschaftlich betrachtet werden, wie ein Bahnhof oder eine Straße“, sagt Schäfer. Das heißt, dass der Flughafen fester Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur sein soll. Er biete eine „massive Chance“.

Die gute Lage Nordhessens könnte für viele Unternehmen interessant sein: „Zum Beispiel für große Versanddienstleister oder Logistikunternehmen“, erklärt der 19-Jährige. Von hier aus könne jeder Ort in Deutschland noch am selben Tag erreicht werden. Freie Industrieflächen in Calden könnten dafür genutzt werden. Das würde zum einen Arbeitsplätze schaffen, zum anderen Steuereinnahmen generieren.

Ermöglichen sollte die Politik das durch eine bessere Anbindung des Flughafens. „Es muss eine Schienenanbindung geschaffen werden“, sagt Schäfer. Das sei im Verhältnis kein großer Kostenaufwand und auch ökologisch gegeben. Eine Autobahnanbindung werde ebenfalls schon lange diskutiert. Diese müsse jetzt auch mal vorangetrieben werden. Autos werden in der Zukunft nämlich weiterhin viel genutzt werden. „Von Autos kommen wir nicht los“, sagt Schäfer. Derzeit laufe der Verkehr zu stark durch Calden. Das könne nicht alles auf die Anwohner abgeladen werden.

Dabei soll der Flughafen nicht nur für Unternehmen und die Wirtschaft interessanter werden, sondern auch für Reisende. Eine Verlängerung der Start- und Landebahn schlägt die Junge Union deshalb vor. Dann könnten nicht nur europaweite Flüge angeboten werden, sondern auch welche, die in andere Kontinente erreichen.

Start-Ups nach Kassel locken

Während im Kasseler Umland Logistikunternehmen angesiedelt werden, sollen in der Stadt Start-Ups ihren Platz finden. Dafür schlägt Schäfer ein „Haus der Start-Ups“ vor. Die Stadt Kassel solle Räumlichkeiten schaffen bezieungsweise bezuschussen, in denen auch junge, neue Unternehmen ihren Platz finden. „Nordhessen ist derzeit nicht attraktiv genug. Viele Gründer gehen woanders hin“, erklärt Schäfer. Das müsse sich ändern.

Stärker herausstellen müsse man den Wissensstandort Nordhessen. Mit der Universität Kassel und der Georg-August-Universität Göttingen gebe es gleich zwei große Hochschulen in unmittelbarer Nähe. Dabei solle auch die Verknüpfung von Bildung und Unternehmen verbessert werden, in dem letztere auch an Schulen präsent sind. „Das schafft Interesse und eine größere Motivation bei den Schülern“, sagt Schäfer. Ansonsten ziehen viele junge Menschen aus Kassel weg. Dabei müsse es das Ziel sein, diese hierzubehalten.

„Zukunftsheimat Kassel“: Bei neuester Technologie an der Spitze sein

Ein weiter Aspekt, der Wissenschaft und Wirtschaft miteinander verbindet, läuft unter dem Titel „Zukunftsheimat Kassel“, sagen die beiden jungen Politiker. Unter anderem solle Kassel offen für zukünftige Technologien sein, sagt Schäfer. Man könne sich beispielsweise als Teststadt für Flugtaxis und andere Neuheiten anbieten. „Wir wollen in der Entwicklung nicht stehen bleiben, sondern an der Spitze stehen“, sagt er. Ganz aktuell vermisst Schäfer E-Ladestationen an Laternen. Diese gäbe es unter anderem in Großbritannien. Das wäre also gut umsetzbar, sagt Schäfer.

Versorgungssicherheit über das Grundwasser und Schutz vor Umweltkatastrophen

Nicht fehlen dürfen Umweltthemen. Hier gibt es zwei Punkte, die die Junge Union im Blick hat. Zum einen das Thema Versorgungssicherheit. Hier soll das Grundwasser geschützt bleiben, indem der Grundspiegel gesichert wird. Es gebe Unternehmen in der Region, die das sicherstellen können, sagt Schäfer. Außerdem sehen sie ein Problem in der zunehmenden Versiegelung. Das müsse in Zukunft berücksichtigt werden.

Zum anderen müsse der Schutz vor Umweltkatastrophen gewährleistet sein. Schäfer, der im Ortsbeirat in Bettenhausen ist, hat zum Beispiel die dortige Hochwasserlage im Blick: „Dieses Jahr ist das weniger ein Faktor. Aber durch die Klimaveränderung ist das zukünftig wichtig.“ Beim Hochwasserschutz müsse deshalb noch mehr getan werden. Sowohl die Stadt als auch einige Gemeinden stünden da quer, obwohl es um die Sicherheit der Bevölkerung geht.

Nachtleben für junge Menschen attraktiver gestalten

Als Jugendorganisation hat die Junge Union die Themen der jüngeren Menschen auf dem Zettel. So zum Beispiel das Nachtleben. Durch die Corona-Pandemie habe es ein Clubsterben gegeben, sagen die beiden. Dem müsse entgegen gewirkt werden. Außerdem muss der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver gestaltet werden: „Das ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch wichtig“, sagt Schäfer. Für die Jüngeren sei wichtig, dass am Wochenende die Verbindungen auch in der Nacht noch verfügbar sind. Da gehe es auch darum, dass alle sicher nach Hause kommen. „Es muss zu den Stoßzeiten gewährleistet sein, dass alle 30 bis 45 Minuten Verbindungen verfügbar sind, die innerhalb des Stadtgebiets unterwegs sind.“

Selbiges gilt für die Stoßzeiten während des Schulbetriebs. Deshalb müsse es eine Überprüfung und Neuanpassung der Fahrpläne geben, sagen beide.

Generell muss es für junge Menschen Bezugspunkte in der Stadt geben, sagt Koch, der eine Ausbildung zum Forstwirt absolviert. Das sei für eine Unistadt wie Kassel wichtig. Dabei würde auch helfen, wenn alle Stadtteile gleichermaßen weiterentwickelt werden, sagt Schäfer. „Im Westen wird viel gemacht. Der Kasseler Osten darf aber nicht vergessen werden.“

Starke Wirtschaft führt zu hohen Steuereinnahmen

Der wichtigste Punkt für die Junge Union bleibt jedoch, die wirtschaftliche Situation zu verbessern: „Eine starke Wirtschaft führt zu hohen Steuereinnahmen. Dann können wir als Politik viel machen. Deswegen ist es uns so wichtig“, sagen Koch und Schäfer. Denn für sie bedeutet Politik machen in Kassel, das Maximale aus der Stadt rauszuholen. (Amir Selim)

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