1. Startseite
  2. Kultur
  3. documenta

Jusos wollen Armut bekämpfen und marginalisierten Menschen helfen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Amir Selim

Kommentare

Ilyas Yassin (20), Vorsitzender der Jusos Kassel
Armutsbekämpfung und Repräsentation sind Themen, die Ilyas Yassin von den Jusos besonders wichtig sind. © Amir Selim

Im Projekt „100 Tage“ stellen wir junge Kasseler vor, die etwas bewegen wollen. Diese Woche beschäftigen wir uns mit jungen Politikerinnen und Politikern. Heute: die Jusos.

Schon wenige Augenblicke mit Ilyas Yassin verdeutlichen, wie sehr ihn Themen wie Armutsbekämpfung und Repräsentation von marginalisierten Menschen persönlich bewegen und motivieren. „Für mich ist die Bekämpfung von Armut ein Herzensthema. Ich bin in Hartz-IV-Verhältnissen aufgewachsen“, erklärt der 20-Jährige, der Vorsitzender der Jusos in Kassel ist. Er kann seine persönlichen Erfahrungen mit Rassismus sowie Kontakte und Freundschaften zu vielen Menschen mit Migrationsgeschichte in seine Arbeit einfließen lassen.

Armutsbekämpfung als langfristiges, Unterstützung für Geflüchtete als kurzfristiges Ziel

Die Jusos nehmen sich jeweils ein kurzfristiges und ein langfristiges Ziel vor, sagt Yassin. Diese werden ein Mal jährlich festgelegt. Derzeit wird sich langfristig auf Armut fokussiert. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch aktuelle Maßnahmen getroffen oder unterstützt werden. So zum Beispiel durch das Einwohner-Energie-Geld, das von der SPD und von Oberbürgermeister Geselle in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht wurde. Jeder Kasseler hat so die Möglichkeit 75 Euro, bei der Stadt zu beantragen. Auch Hartz-IV-Empfänger werden davon profitieren, ist sich Yassin sicher. Generell ist Yassin bei den Jusos und der SPD aufgrund der Ausrichtung der Partei: „Das Soziale wird in den Vordergrund gerückt.“

Neben Armut steht die Unterstützung von Geflüchteten derzeit auf dem Plan als kurzfristiges Ziel. Auch diese seien von den steigenden Preisen in allen Bereichen des Lebens beeinträchtigt, sagt der 20-Jährige. Dabei gelte es nicht nur gegenüber den ukrainischen Geflüchteten solidarisch zu sein, sondern auch gegenüber Geflüchteten aus Syrien oder Afghanistan. Diese müssen genauso unterstützt werden.

Repräsentation in der Gesellschaft und bei den Jusos

Repräsentation von marginalisierten Menschen ist eines der am meisten diskutieren Themen in der Politik und Gesellschaft. Auch in Kassel ist es wichtig. „40 Prozent der Menschen in Kassel haben einen Migrationshintergrund. Bei Jugendlichen sind es sogar 50 Prozent. Davon sind zu wenige in der Parteienlandschaft repräsentiert“, erklärt Yassin. Das gelte nicht nur für Menschen mit Migrationsgeschichte sondern auch für queere Menschen.

Deshalb wollen die Jusos mit gutem Beispiel vorangehen. Es soll bald eine Gleichstellungsbeauftragte geben. Weitere Positionen, wie eine FLINTA-Beauftragte wird geschaffen. Das Akronym FLINTA steht für Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen. Zudem soll es Awareness-Teams geben, die ein Bewusstsein für das Thema schaffen sollen. Wenn es dann zu Vorfällen kommt, soll es Ansprechpartner geben, die unabhängig vom Vorstand kontaktiert werden können. „Wir müssen erstmal in unserer eigenen Organisation Strukturen schaffen“, sagt Yassin. Zum Beispiel indem mindestens 40 Prozent jeden Geschlechts im Vorstand und anderen Gremien repräsentiert sind. Generell müssen sich diesbezüglich viele Dinge ändern. Für Yassin sollten Parlamente nämlich Spiegel der Gesellschaft sein. Das sei aktuell nicht der Fall, weil nicht alle Gruppen repräsentiert sind.

Die Stadt Kassel progressiver gestalten

Damit solche Themen und Projekte angestoßen werden, müsse die Stadt Kassel progressiver gestaltet werden. Deshalb waren die Jusos beim innerparteiischen Disput der SPD Kassel gegen Gespräche mit CDU, FDP und freien Wählern. Das wäre eben kein progressives Bündnis, sagt Yassin. Ein solches brauche es aber, damit die Stadt sozial und ökologisch nach vorne gebracht werden könne. Für den Moment müsse stattdessen mit wechselnden Mehrheiten gearbeitet werden. „Nach der Oberbürgermeisterwahl im März werden die Karten neu gemischt“, sagt der Juso.

Ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP sieht Yassin deshalb kritisch. „Jamaika ist nicht im Interesse vieler Menschen der Stadt. Und wie stehen die 5 der 20 grünen Stadtverordneten, die sich als Teil der Grünen Jugend fühlen, zu einem etwaigen rechtskonservativen Jamaika-Bündnis?“

Kurzvideo: Yassin über die derzeitige Politik in Kassel

Als Lehrer Kinder mit Migrationshintergrund unterstützen

Das Herzensthema Repräsentation führt Yassin im Winter an die Universität Kassel. Dort beginnt er im kommenden Wintersemester sein Lehramtsstudium für Real- und Hauptschulen. Einer der Gründe, die ihn motivieren, ist die fehlende Unterstützung für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund an Schulen. Er selbst möchte diese als Lehrer unterstützen und auch seine eigenen Erfahrungen mit den Schülern teilen. (Amir Selim)

Auch interessant

Kommentare