Gesellschaftssaal im Hugenottenhaus soll documenta-Standort werden

Historisches Gebäude: Das Hugenottenhaus an der Friedrichsstraße hat eine wechselvolle Geschichte. Es ist Zeugnis der hugenottischen Oberneustadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Hotel und Restaurant. Fotos: Koch

Kassel. „Es gibt keine Ecken in diesem Raum“, sagt Ute Hengstermann. „Es ist ein typischer Bode.“ Fachkundig führt die Betriebsassistentin des Hotels Hessenland durch das Erdgeschoss des Hugenottenhauses an der Friedrichsstraße 25.

Das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschaffene Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Hotel und Restaurant genutzt. Eine verwaiste Rezeption und alte Reklameschilder erinnern daran.

Auch nebenan im Hotel Hessenland ist die Handschrift von Paul Bode spürbar. In den Ballsaal werden im nächsten Jahr möglicherweise viele documenta-Besucher strömen. Der Bruder von documenta-Gründer Arnold Bode war Architekt und hat an vielen Stellen in der Stadt seine Spuren hinterlassen, wie zum Beispiel im Kaskade-Kino. Auch der große Saal im Erdgeschoss des Hugenottenhauses mit der abgehängten Decke und den runden Formen ist typisch für seine Arbeit in den 50er-Jahren. Gebäude und Saal stehen seit vielen Jahren leer, was deutliche Spuren hinterlassen hat.

Früher war das historische Gebäude mit dem Hotel Hessenland verbunden. Aus Gründen des Brandschutzes wurde der Durchgang zugemauert. Nun will die documenta unter dem Motto „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ die vergessene Juwele der Stadtgeschichte ins Rampenlicht holen. Ute Hengstermann freut sich darüber. „Man wird automatisch zum Bode-Fan, wenn man hier arbeitet“, sagt die 53-Jährige.

Nicht nur offene Türen

Doch die documenta trifft nicht überall auf derart offene Türen. Manche Eigentümer sind trotz der großen Chancen, die mit einer internationalen Öffentlichkeit verbunden sind, eher zurückhaltend. Dabei spielen möglicherweise auch die langen Vorlaufzeiten eine Rolle. Ob zum Beispiel das Kaskade-Kino genutzt werden kann, ist noch nicht geklärt. Von der Aachener Grundvermögen, Eigentümerin des Hauses mit dem denkmalgeschützten Filmtheater am Königsplatz, war bislang denn auch keine Stellungnahme zu bekommen. Die Hotel Reiss GmbH, die das Traditionshaus saniert und zu einem Kulturhotel umbaut, hält sich ebenfalls zurück. Man habe noch keine Entscheidung getroffen, heißt es. Die documenta sei fantastisch für Kassel - mehr über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Hotel Reiss will der israelische Projektentwickler Moshe Sand nicht sagen.

Auf der Wunschliste der documenta-Leitung standen laut documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld auch die Murhardsche Bibliothek sowie das Landes- und das Stadtmuseum, die wegen laufender Bauarbeiten aber ausfallen.

Von Ellen Schwaab

Quelle: mydocumenta

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