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Antisemitismusvorwürfe gegen die documenta: Ruangrupa erklärt sich

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Aufsteller vor der Kunsthalle Fridericianum in Kassel werben für den Verkauf von Tickets für die documenta fifteen.
Aufsteller vor der Kunsthalle Fridericianum in Kassel werben für den Verkauf von Tickets für die documenta fifteen. © Uwe Zucchi/dpa

Das Bündnis gegen Antisemitismus in Kassel wirft der documenta vor, an der Ausstellung seien antiisraelische Aktivisten beteiligt. Nun äußern sich die Künstlerischen Leiter.

Kassel – „Grundlage der documenta fifteen ist die Meinungsfreiheit einerseits und die entschiedene Ablehnung von Antisemitismus, Rassismus, Extremismus, Islamophobie und jeder Form von gewaltbereitem Fundamentalismus andererseits.“ So lautet ein Kernsatz in einer Erklärung von Ruangrupa. Das Kollektiv aus Jakarta (Indonesien) hat die Künstlerische Leitung der 15. documenta in Kassel inne, die vom 18. Juni bis 22. September 2022 stattfinden wird.

„Das Recht aller Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben in Frieden, Würde und Sicherheit ist für das Team der documenta fifteen elementar“, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Statement.

Ruangrupa reagiert mit der Stellungnahme auf Vorwürfe, die das Bündnis gegen Antisemitismus (BGA) Kassel erhoben hatte. Teilnehmer an der documenta fifteen, insbesondere das palästinensische Kollektiv The Question of Funding, nähmen antiisraelische Positionen ein und stünden der antisemitischen BDS-Bewegung (für „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“) nahe.

Antisemitismusvorwürfe gegen die documenta: Ruangrupa lädt zu internationalem Expertenforum ein

„Im Sinne einer offenen und vielstimmigen Debatte“ plant die documenta fifteen, zeitnah zu einem internationalen Expertenforum mit dem Arbeitstitel „We need to talk! Art – Freedom – Limits“ einzuladen. Stimmen aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Kolonialismus- und Rassismusforschung, Land Right Studies, Indigenous Studies, Holocaust- und Antisemitismusforschung, Recht, Medien sowie Kunst und Kultur, würden in eine Debatte eintreten, um das Grundrecht der Kunstfreiheit angesichts von steigendem Rassismus und Antisemitismus und zunehmender Islamophobie zu diskutieren.

Die documenta fifteen verwahrt sich gleichzeitig aber ausdrücklich, wie ihre Vorgänger-Ausstellungen, gegen externe Eingriffe in den künstlerischen Freiraum.

Die documenta und Museum Fridericianum gGmbH trete als global wirkende Kunst- und Kulturorganisation für die Kunst- und Wissenschaftsfreiheit ein. Sie sei dem Grundgesetz und internationalen rechtlichen Konventionen verpflichtet. „Darüber hinaus nimmt sie die Verantwortung, die aus der besonderen Geschichte Deutschlands erwächst, sehr ernst.“ So beginnt die gestrige Stellungnahme der documenta. Unter diesen Voraussetzungen sei es die Aufgabe der documenta, „der Kunst Räume zu eröffnen, in denen unabhängige und konträre Diskurse stattfinden dürfen.“

documenta fifteen in Kassel: „Verfälschende Berichte verhindern kritischen Dialog“

Verfälschende Berichte oder rassistische Diffamierungen, wie sie aktuell gegen Beteiligte der documenta fifteen vorgebracht würden, „verhindern einen kritischen Dialog und eine produktive Debatte“.

Für die documenta fifteen hätten Ruangrupa und ihr künstlerisches Team Positionen eingeladen, die sich im Sinne der Lumbung-Praxis mit künstlerischen Mitteln für ihre jeweiligen lokalen Kontexte engagieren. Lumbung, wörtlich übersetzt Reisscheune, meint die kollektive selbstverwaltete Nutzung überschüssiger Ressourcen.

In der Erklärung heißt es weiter: „In der Akzeptanz der Komplexität unserer Gegenwart macht sich die documenta fifteen mit keiner politischen Bewegung gemein, betont aber das Recht aller Menschen, sich für ihre Rechte und gegen Diskriminierung einzusetzen.“ Ruangrupa erklärt: „Dekontextualisierungen oder Verkürzungen verengen Diskursräume, indem sie mit vereinfachenden Dichotomien scheinbar leichte Antworten auf herausfordernde Fragen unserer Gegenwart bieten. Sie werden darüber hinaus den gesellschaftlichen Möglichkeiten des Kunst- und Kulturbetriebs nicht gerecht: Gerade dieser bietet Freiraum, um die Toleranz von Ambiguitäten – auch spekulativ, experimentell oder assoziativ – zu erproben und zu verhandeln, wie wir miteinander leben wollen.“ (Mark Christian von Busse)

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