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documenta in Kassel: Antisemitismus-Experte und Star-Künstlerin ziehen sich von Kunstschau zurück

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Von: Matthias Lohr, Florian Hagemann

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Der Antisemitismus-Experte Meron Mendel sollte die documenta beraten. Wegen Kritik an der Leitung der Kunstschau zieht er sich nun zurück. Auch eine Star-Künstlerin verabschiedet sich.

Kassel – Die documenta fifteen kommt nicht zur Ruhe. Nach der teils heftigen Kritik im Kulturausschuss des Bundestages an Generaldirektorin Sabine Schormann und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Geselle unter der Woche kündigte gestern mit Meron Mendel jener Mann seine Beraterfunktion auf, der für Aufklärung im Zuge des Antisemitismus-Eklats sorgen sollte. Mehr noch: Später gab mit Hito Steyerl eine der bekanntesten Künstlerinnen der documenta fifteen ihren Rückzug von der Weltkunstausstellung bekannt. Beide übten teils heftige Kritik an der documenta-Leitung – insbesondere Sabine Schormann.

Mendel vermisst bei der documenta-Leitung einen „ernsthaften Willen“, die Vorgänge aufzuarbeiten und in einen Dialog zu treten. Unserer Zeitung sagte der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, der kritische Kunstwerke begutachten sollte: „Ich kann nur helfen, wenn man meine Hilfe auch will.“ Mendel kritisierte eine Verzögerungstaktik der documenta. Offensichtlich sei das Team um Generaldirektorin Sabine Schormann auch überfordert.

Sollte die documenta beraten: Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank.
Sollte die documenta beraten: Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank. © Fischer, Andreas

documenta in Kassel: Steyerl wirft Organisatoren „faktische Weigerung“ vor

Steyerl wirft den Organisatoren laut dem „Spiegel“ vor, keine Verantwortung für das Zeigen antisemitischer Inhalte zu übernehmen. Es gebe eine „faktische Weigerung“ der documenta-Zuständigen, Angebote zur Vermittlung zu akzeptieren. Auslöser für ihren Schritt sei Mendels Rückzug gewesen.

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Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) nannte den Schritt Mendels gegenüber unserer Zeitung „sehr bedauerlich“. Aber: „Ich kann ihn gut nachvollziehen: Professor Mendel hat mit viel Energie lange versucht, mit der documenta gGmbH eine Struktur für die Aufarbeitung zu finden. Dass das nicht gelungen ist, ist ein Rückschlag.“

documenta lässt Fragen zu Rückzügen unbeantwortet

Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Christian Geselle (SPD) wollte sich nicht äußern. Ein Stadtsprecher drückte sein Bedauern aus und teilte mit: „Der begonnene Dialog verlangt nach Fortsetzung. Es ist Aufgabe der documenta fifteen, dafür wie versprochen den Weg unter Einbeziehung verschiedener in diesem Kontext wichtigen Expertisen mit aller Kraft und der notwendigen Sensibilität weiter zu beschreiten.“ Mendel und die documenta gGmbH seien gebeten worden, die Hintergründe der Entwicklung darzulegen.

Die documenta selbst ließ Fragen zu den Rückzügen Mendels und Steyerls gestern unbeantwortet. (Florian Hagemann, Matthias Lohr)

Für Aufsehen sorgte auf der documenta in Kassel auch ein Künstler, der seine Werke auf die Ausstellung schmuggelte.

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