Markt zur documenta diesmal auf Königsplatz - Geschäft läuft nicht

Im „Perlenrausch“: Die Kasselerin Jutta Walther stellt aus verschiedenen Materialien selbst entworfenen Schmuck her. Auf dem Königsplatz hat sie einen alten Zirkuswagen aufgestellt. Fotos:  Herzog

Kassel. Einheimische und Kassel-Besucher sind meist etwas ratlos, wenn es um den Kunsthandwerkermarkt zur Weltkunstausstellung geht. „Die documenta-Besucher finden uns nicht.“

Das sagt Mohamed M’Barki, der tunesische Keramik verkauft. Und wer zufällig auf dem Königsplatz die Stände und Buden erspäht, vermute eher, dass es sich um irgendein kleines Fest handelt. Der Anblick erinnere eher an einen Weihnachtsmarkt in der Provinz, sagt ein Passant. Und auch die Standbetreiber sind unglücklich mit der Königsplatz-Lösung. Denn das Geschäft laufe sehr mäßig.

„Das hier ist ein schlechter Platz“, klagt M’Barki. Am liebsten würde er mit seinem Stand sofort in die Nähe des Friedrichsplatzes umziehen. Fünf Jahre habe er sich mit seiner Familie, die die Keramik in Tunesien herstelle, auf die documenta vorbereitet. Jetzt fürchtet er, auf den Kosten von rund 10 000 Euro - 7900 Euro entfielen allein auf die Standmiete für 100 Tage - weitgehend sitzen zu bleiben. „Die entscheiden hier über unsere Existenz“, klagt der Standbetreiber aus Bovenden.

Auch Siggi Hauch aus Münster ist enttäuscht. Eine Vielzahl filigraner Glasfiguren für sein „Wasserballett“ hat er für die documenta vorbereitet und mindestens 9000 Euro investiert. Wenn er jetzt seine Glasbläserkunst live vorführe, blieben zwar faszinierte Kinder stehen, internationales Käufer-Publikum verirre sich indes nur selten auf den Königsplatz.

Der Kunsthandwerkermarkt sei schließlich auch in keinem Flugblatt oder Begleitheft erwähnt, auch andere Hinweise oder Wegweiser gibt es nicht. „Wir müssen Wege finden, um den Markt bekannter zu machen. Viele Kasseler denken, er findet diesmal gar nicht statt“, sagt Jutta Walther, die handgefertigte Schmuckstücke anbietet. Sie hat schon Sommerblumen mitgebracht, um ein bisschen fröhliche Atmosphäre zu schaffen. Ein schwieriges Unterfangen, denn nicht alle der etwa 30 Stände und Buden sind so attraktiv wie ihr alter Zirkuswagen. Und nicht einmal halb so viele Stände wie bei der documenta 12 sind diesmal vertreten.

Edelsteine und Naturschmuck

Susanne Roth ist seit 30 Jahren mit dabei. Sie erinnert an die Anfänge, als die Stände noch illegal an der Gustav-Mahler-Treppe angesiedelt waren. Joseph Beuys habe sich damals für den Markt starkgemacht. „Er hat gesagt ,Jeder ist ein Künstler‘, und er erreichte, dass wir bleiben konnten“, sagt die Händlerin von Mineralien, Edelsteinen und Naturschmuck. „Wir waren ein Teil des Ganzen, jetzt sind wir nur noch irgend so ein Markt.“

Zudem sei es schade, dass der Königsplatz als „Kassels gute Stube“ wegen der Marktbuden nicht wirke und auch die Wasserspeier nicht sprudeln, kritisiert ein Passant. Die documenta-Sprecherin Lena Pralle sagte: „Dass der Markt dort stattfindet, finden wir toll.“ Wie der Platz gestaltet sei, könne die documenta nicht beeinflussen. Damit sei MM Konzerte beauftragt.

Quelle: mydocumenta

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