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Restaurant am Friedrichsplatz plötzlich geschlossen: Das steckt dahinter

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Von: Axel Schwarz

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Geschlossen: Das Restaurant El Greco am Friedrichsplatz hat aufgegeben.
Geschlossen: Das Restaurant El Greco am Friedrichsplatz hat aufgegeben. © Axel Schwarz

Trotz jeder Menge Kunstpublikum am Friedrichsplatz in Kassel hat das dort gelegene Restaurant El Greco kürzlich für immer geschlossen: Das sind die Hintergründe.

Kassel – Kaum ein Speiselokal liegt näher am Puls der documenta als das geräumige Restaurant am Friedrichsplatz 10, das sich mit Außentischen zur Straße hin öffnen lässt. Bei der Kunstschau 2017 hatten die Betreiber wegen der günstigen Lage doppelt so viel Umsatz gemacht wie üblich. Damals hieß das Lokal noch „Fratelli“.

Nachdem diese Gastronomie Anfang 2021 nach Vellmar umgezogen war, hatten vor einem Jahr neue Betreiber am Friedrichsplatz das griechische Restaurant El Greco eröffnet – und haben es ausgerechnet jetzt, ein paar Wochen nach dem Start der documenta, sang- und klanglos wieder aufgegeben. Was ist denn da los?

Restaurant am Friedrichsplatz (Kassel): Räume sind verwaist, Gäste sind sauer

Die Räume sind verwaist, die Betreiber nicht zu erreichen, einige Möchtegern-Gäste sind sauer und machen im Netz ihrem Unmut Luft. Denn sowohl die Website des Lokals als auch eine allgemeine Google-Suche erwecken den Eindruck, als ob das El Greco weiterhin geöffnet sei. Über beide Online-Kanäle werden auch noch Reservierungen verarbeitet und Gästen zufolge mit automatischen Bestätigungsmails quittiert. Wer sich darauf verlässt, steht später vor verschlossenen Türen.

Licht ins Dunkel bringt auf HNA-Anfrage der Vermieter der Räumlichkeiten, der regionale Immobilienentwickler Gotthard Fels. Er habe den Gastronomen vor Kurzem wegen ausstehender Mietzahlungen gekündigt.

Corona und documenta Gründe für die Schließung des Restaurants am Friedrichsplatz (Kassel)

Laut Fels haben mehrere Ursachen zusammengewirkt und zum Aus des El Greco geführt: Nach ihrem Start seien die Betreiber durch die Corona-Lage in eine schwierige Phase gekommen, hätten jedoch mangels Vorjahresvergleich nicht von Unterstützungszahlungen für die Branche profitieren können. „Im Frühjahr lief es dann weiter schleppend“, erzählt Fels.

Ein wesentlicher weiterer Grund sei aber die Gastro-Meile der documenta, die direkt gegenüber „jede Menge Leute abschöpft“ und die Blicke vom Lokal in Richtung Kunstgeschehen durch Container und Zäune versperre. Das habe sich beim El Greco in recht bescheidenen Gästezahlen niedergeschlagen. In anderen documenta-Jahren, so Fels, „brauchte man hier nur die Restauranttür aufzuschließen. Aber diesmal hat das gar nicht funktioniert.“

Restaurant in Kassel: Vermieter sucht nach Ersatzbetreiber für die documenta-Zeit

Das sei wohl auch der Grund, warum mehrere Gastronomen abgewunken hätten, die der Vermieter kurzfristig als Ersatzbetreiber für die documenta-Zeit in Stellung zu bringen versucht hat. So einfach, wie es den Anschein habe, sei dieser Standort nicht, sagt Fels: Er habe schon mit dem Gedanken gespielt, „das mit der Gastronomie dort ganz zu lassen“.

Aktuell gebe es allerdings wieder regionale Interessenten mit einer längeren Zeitperspektive, berichtet der Eigentümer. Die Verhandlungen sähen ganz gut aus, „mit ganz viel Glück“ könne „bis Ende des Monats“ ein neuer Betreiber feststehen, der noch etwas vom documenta-Geschäft mitnehmen will.

„El Greco“ war kulinarisch nie auf dem Niveau seiner Vorgänger am Friedrichsplatz (Kassel)

Ein Aspekt, der für den gastronomischen Erfolg an diesem Standort auch noch eine Rolle spielen könnte, ist die Positionierung. Über 30 Jahre lang befand sich dort seit 1973 mit dem „San Marco“ von Carl-Michael Pantaenius eines der besten und vornehmsten Restaurants in Kassel.

Ab 2007 setzte Familie Rizzo mit dem räumlich vergrößerten „L’Arte da Vivere“ die gehobene italienische Linie ein wenig volkstümlicher fort – ebenso wie sechs Jahre später die Brüder Ferrante mit ihrem „Fratelli“. Auf dem Niveau dieser Vorgänger war das „El Greco“ mit nicht sonderlich fantasievollen Standardspeisen nie unterwegs. (Axel Schwarz)

Während das „El Greco“ schließt, machen mit dem „Kassel Palast“ in der Seglergaststätte und dem „Amici“ zwei neue Lokale in Kassel auf.

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