Kleine Typologie: Die d (13) und ihre Besucher

Kassel. Auf der documenta ist das Publikum zuweilen genauso interessant anzuschauen wie die Kunst – und das  nicht nur wenn Stars wie Brad Pitt unterwegs sind. Wer häufiger auf der d (13) unterwegs ist, wird feststellen, dass es Gäste-Typen gibt, die einem immer wieder über den Weg laufen

Die Bandbreite reicht vom hippen Berliner Studenten mit Dreitagebart bis zur streng gescheitelten Kunstkritikerin im Hosenanzug.

Unsere Redaktion hat einige dieser Typen und ihre Eigenarten zusammengetragen und den Kasseler Illustrator und Regisseur Daniel Stieglitz gebeten, ihnen mittels Karikaturen ein Gesicht zu geben. Klischees waren ausdrücklich erwünscht, da sie sich in der Realität auch regelmäßig bestätigen.

documenta-Typen

Typologie, documenta 13
Typ: Der Kenner - Der Kenner hat Sendungsbewusstsein: Er ist der Platzhirsch auf der Weltkunstschau und war schon Gast in Kassel, als die meisten anderen noch glaubten, die documenta sei eine Fachmesse für Archivare. Seine besonderen Fähigkeiten: Er kann in geselliger Runde aus dem Stand mindestens drei Anekdoten von seinen Begegnungen mit documenta-Gründervater Arnold Bode erzählen. Gern schwelgt er in Erinnerungen an die frühen Ausstellungen der 50er- und 60er-Jahre, die er für die besten hielt © Karikatur: Stieglitz
Typologie, documenta 13
Typ: Die Asiatin - Die Asiatin bringt nach Kassel, was frühestens nächsten Sommer im deutschen Elektronikgroßhandel erhältlich ist. Sie ist jung, kommt aus Japan, China oder Südkorea und sieht Kassel vor allem durch den Sucher ihrer hochmodernen Kamera. Wenn sie alle ihre Fotos von Kassel in ihrem Heimatland zusammenlegen würde, entstünde dort eine zweidimensionale Kopie der Stadt. Gern trägt sie große Rucksäcke, in denen sie ihr Equipment verstauen kann. Dort werden auf ihrer Rückreise auch die Markenartikel Platz finden, die sie in Kunstpausen tütenweise durch die Königsstraße trägt. © Karikatur: Stieglitz
Typologie, documenta 13
Typ: Die Pädagogin - Die typische Pädagogin taucht im Kunstbetrieb als Gast immer wieder auf. Sie interessiert sich fürs Kabarett, für Jazz-Konzerte und eben auch für die zeitgenössische Kunst. Als Allrounderin hat sie zwar oft nur ein gesundes Halbwissen, aber dieses bringt sie - auch ungefragt - gern zur Geltung. Auf der documenta begegnet man dem typischen Pädagogen sowohl in der bereits pensionierten Variante als auch im aktiven Status. In der weiblichen Form trägt sie gern Textilien aus Leinen, raffiniert kombiniert mit Tüchern und Schals. © Karikatur: Stieglitz
Typologie, documenta 13
Typ: Der Hipster - Der Hippe studiert in Berlin oder Barcelona und trägt auf der documenta seine Lebenseinstellung zur Schau. Mit Dreitagebart, verwuschelten Haaren, Röhrenjeans und Hornbrille suggeriert er jugendliche Gelassenheit bei gleichzeitiger Intellektualität. Der wache Geist weiß: Die Kunst erwartet nicht, dass ich rasiert vor ihr erscheine. Sein Erkennungsmerkmal ist die mit klugen Sprüchen bedruckte Jutetasche. © Karikatur: Stieglitz
Typologie, documenta 13
Typ: Der Kasseler - Der Kasseler lässt sich nichts vormachen: Vieles, was ihm die documenta vormacht, kann er selbst. In diesem Jahr ist sein Kunstinteresse aber spontan erwacht, als "Frau Baggaschief, oder wie die künstlerische Leiterin heißt", viele sonst verschlossene Orte zugänglich gemacht hat. So treibt ihn der Forscherdrang in die Ausstellung. Mit Helm in den Bunker, das ist für ihn wie ein Ausflug ins Bergwerk, für den er sich stets gut verpflegt. © Karikatur: Stieglitz

Sicherlich ist unsere Typisierung nicht vollständig. Sollten bis zum Ende der Weltkunstschau am 16. September tatsächlich fast eine Million Besucher kommen, werden sich noch viele weitere Typen in Kassel getummelt haben.

(von Bastian Ludwig)

Quelle: mydocumenta

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