Kommentar zum Leifeld-Abschied: "Mit Freude zwischen allen Stühlen"

Kassel. Nach 18 Jahren als documenta-Geschäftsführer wird Bernd Leifeld verabschiedet. Vier documenta-Ausstellungen hat er mit verantwortet. Ein Kommentar von Mark-Christian von Busse.

Verwaltungsdirektor am Theater zu sein, das, gesteht Bernd Leifeld, sei für ihn undenkbar - weil der einstige Intendant das Gefühl hätte: Was auf der Bühne passiert, kann ich besser. Kurator zu werden, diesen Ehrgeiz hatte der Theatermann Leifeld nie. Das erklärt, warum die Rollenaufteilung zwischen vier sehr unterschiedlichen künstlerischen Leitern und dem documenta-Geschäftsführer stets klar war, warum er sich als loyaler Lobbyist und Anwalt ihrer Ausstellungen verstanden hat. Den öffentlichen Schulterschluss mit eigensinnigen bis exaltierten Kuratoren hat er eisern durchgehalten. Leifeld war aber mehr als nur Verwaltungsdirektor des Kunstweltereignisses, mehr als Organisator im Hintergrund.

Von Sponsorensuche bis Pressearbeit übernahm er viele Funktionen. Sein Anspruch war das Ermöglichen statt das Verwalten.

1997 mit dX-Leiterin Catherine David.

Auch die Lust am Inszenieren konnte der ehemalige Dramaturg ausleben. Die Rolle zwischen allen Stühlen schreckte ihn nicht. Von Erwartungen von Künstlern, Politik, Presse, Sponsoren und Öffentlichkeit ließ er sich nicht zerreiben, weil er einen sicheren Kompass hatte: Unabhängigkeit, Unverwechselbarkeit und Einmaligkeit der Marke und Institution documenta. Die muss und wird jetzt ohne den Macher Leifeld auskommen. Wenn es ein passendes Abschiedsgeschenk gäbe, wäre es die Zusage, ein documenta-Institut zu schaffen. Dafür hat Leifeld beharrlich gekämpft. Sie würde es ihm leichter machen, nun die eigenen Akten ans documenta-Archiv zu geben und abzutreten.

E-Mail an den Autor: vbs@hna.de

Fotos von der Verabschiedung

Ehemaliger documenta-Geschäftsführer: Verabschiedung von Bernd Leifeld

Quelle: mydocumenta

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