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Kommentar zum Offenen Brief an den documenta-Aufsichtsrat

Vertreter der Kunstszene, Museumsleiter, Professoren und Kuratoren haben sich in einem Offenen Brief an die Mitglieder des Aufsichtsrats der documenta gewendet. Hierin stellen sie fünf Forderungen auf. Ein Kommentar von Kulturredakteur Mark-Christian von Busse.

Wenn 130 namhafte Museumsdirektoren und Künstler ihre Sorge um die documenta ausdrücken, zeigt das zuallererst die überragende Bedeutung dieser Ausstellung. Auch das Anliegen – die Autonomie der künftigen künstlerischen Leitung einzufordern – ist im Grundsatz verständlich und absolut richtig. Und doch muss man über den Offenen Brief den Kopf schütteln – nicht nur, weil Geschäftsführerin Annette Kulenkampff von jeder Verantwortung freigesprochen wird, obwohl die Entstehung des d14-Defizits längst nicht geklärt, zumindest die Ursachenforschung nicht ausreichend öffentlich kommuniziert worden ist. Grotesk spät bekannt wurde das Minus in jedem Fall.

 Was an dem Schreiben so unangenehm auffällt, ist der überhebliche Ton. Alles Mögliche – Finanzloch, Obelisk, die globale Ausrichtung der documenta, sogar die Zukunft des Archivs – wird in einen Topf geworfen. Die „lokale und regionale“ Politik wird abqualifiziert, die Aufsichtsratsmitglieder werden als Provinzdeppen dargestellt, die einen Hessentag als "Event regionaler Provenienz" goutieren, aber beim Weltereignis documenta nur an Profit denken. Kein Wort davon, dass Stadt und Land nicht nur immerhin 17 Mio. Euro für den documenta-Etat bereitgestellt, sondern der d14 auch ohne zu zögern aus der Patsche geholfen haben, als sie vor der Pleite stand.

Die Kuratoren malen den Teufel einer Einschränkung der künstlerischen Freiheit durch die Politik an die Wand. Für diese Befürchtung aber gibt es derzeit keinen Anlass und für Panikmache keinen Grund. Der wenig konstruktive Offene Brief beklagt eine „fehlgeleitete Diskussion“. Zu der tragen die Museumsleiter selbst bei. 

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