Empörung über Kunstaktion in Kassel

Kritiker fordern: documenta-Performance „Auschwitz on the Beach“ soll verboten werden

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Das Fridericianum (Bild) soll am 24., 25. und 26. August jeweils von 20 bis 21 Uhr Schauplatz der umstrittenen documenta-Performance „Auschwitz on the Beach“ sein.

Kassel. Über die geplante documenta-Performance "Auschwitz on the beach" sind viele Menschen empört. Kritiker fordern nun ein Verbot der Aktion.

„Die Künstler haben offenbar keine Ahnung über das, was unter den Nazis passiert ist“, sagt Karl-Ernst Büff. Der systematische Völkermord an Juden sei nicht mit der Nichtrettung und Nichtaufnahme von Flüchtlingen vergleichbar, stellt der 67-Jährige aus Baunatal klar. Er hat Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) vorgeschlagen, den Künstlern zu untersagen, in der kommende Woche geplanten documenta-Performance solche verharmlosenden Vergleiche anzustellen.

Wie Büff geht es vielen Menschen, die über die vom 24. bis 26. August geplante Kunstaktion „Auschwitz on the Beach“ im Rahmen der documenta 14 empört sind.

CDU-Rathausfraktion

„Künstlerische Freiheit rechtfertigt nicht alles“, sagt Dr. Michael von Rüden, Vorsitzender der CDU-Rathausfraktion.

Michael von Rüden

Auschwitz sei Symbol für einen einzigartigen Kulturbruch in der Geschichte der Menschheit. Wenn sich einige documenta-Künstler jetzt dieses schrecklichen Symbols bemächtigen würden, „um es mit ihren verworrenen politischen Vorstellungen gleichzusetzen,“ sei Adam Szymcyk als künstlerischer Leiter gefordert, „dem Spuk ein Ende zu bereiten und diese Frevler, die sich hinter der Maske von Künstlern verbergen, von der Ausstellung zu verbannen“, fordert von Rüden. Es dürfe nicht wieder einmal mehr die künstlerische Freiheit herhalten, „um auch diese widerliche Abirrung zu rechtfertigen.“

Jüdische Gemeinde

Ilana Katz

Die Jüdische Gemeinde Kassel ist „entsetzt und enttäuscht über die plakative Verwendung der Begriffe Auschwitz und Zyklon B im Kontext einer Veranstaltung der documenta 14 über die weltweiten Fluchtbewegungen.“ Damit werde das Verbrechen des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden relativiert, sagt Ilana Katz, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Menschen, die Konzentrationslager und Verfolgung überlebt hätten, würden bis heute mit den Spätfolgen kämpfen. Auch Angehörige und Nachfahren tragen mit dem Erbe des Holocaust eine Last, über die selten öffentlich gesprochen werde. „Es ist aus unserer Sicht höchst unverantwortlich und ein Ausdruck mangelnder Empathie gegenüber diesen Menschen, die Begriffe Auschwitz und Zyklon B im Rahmen einer künstlerischen und politischen Veranstaltung zu instrumentalisieren.“

Verbot Gefordert

Christian Geselle

„Auschwitz steht für grausamsten Staatsterror, für die systematische millionenfache Vernichtung von Sinti, Roma, Juden und anderen Menschen, die wegen ihrer Rasse, ihres Glaubens oder Weltanschauung verfolgt und getötet wurden“, erinnert Karl-Ernst Büff. Er schlägt Kassels Oberbürgermeister deshalb vor, mithilfe des hessischen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes der documenta die verharmlosenden Vergleiche mit der Judenausrottung der Nazis zu untersagen und auch ein angemessenes Zwangsgeld bei Zuwiderhandlung anzudrohen.

Ein entschlossenes Einschreiten fordert auch die Jüdische Gemeinde. „Wir wünschen uns, dass die Stadtgesellschaft diese Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen zurückweist“, sagt Ilana Katz.

Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), der Kraft seines Amtes als OB auch Aufsichtsratsvorsitzender der documenta-GmbH ist, war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Fotos:  Koch, Fischer, J. Hein

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