Kulturzelt-Programm zur dOCUMENTA 13 (August)

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Hubert von Goisern kommt gleich zweimal, am 15. und 16. August ins Kulturzelt

Kassel. In der zweiten Hälfte überrascht das Kulturzelt einmal mehr mit einem Programm richtungsweisender zeitgenössischer Künstler wie zum Beispiel Fink aus Großbritannien, Miss Li aus Schweden und Apparat aus Deutschland.

Mittwoch, 1. August: Eric Bibb/Habib Koitè (USA/Mali)

 „Ich habe die Musik von meinen Eltern übernommen, die hatten sie von meinen Großeltern und die wiederum von meinen Urgroßeltern“, sagt Habib Koitè. Natürlichen reichen die Wurzeln des Griot-Musikers noch viel weiter zurück. Das in ihm versammelte musikalische Erbe machte ihn zu einem der einflussreichsten Sänger Afrikas. Auch Eric Bibb hat von seiner Familie musikalisch gelernt, allerdings wie man den Blues spielt und ihn zeitgenössisch interpretiert, ohne seine Folk- und Gospelwurzeln zu vernachlässigen. Für die beiden Musiker war es deshalb nur konsequent, ihre ur-afrikanischen und ur-amerikanischen Einflüsse an einem Abend mit Weltklasse-Gitarrenspiel und gemeinsamen Songs zusammen zu führen. (Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur Website von Eric Bibb
Zur Website von Habib Koitè (französisch)

Bilder aller Kulturzelt-Künstler im August

Kulturzelt-Künstler im August

Donnerstag, 2. August: Fink (GB)

Alles was dieser englischen Musiker macht, hat eine ganz besondere Atmosphäre, vermittelt Intimität und entspringt vermutlich einer großen Ehrlichkeit. Es geht um Beziehungen und Trennungen in den Songs von Fink, doch man täte ihm Unrecht, würde man ihm nur einen weiteren sensiblen Singer/Songwriter sehen. Dazu flirrt zuviel Elektronik durch das Klangbild, tauchen plötzlich Samples auf oder Fink beginnt plötzlich einen lupenreinen Blues inklusive dem mit den Füßen geklopften Rhythmus. Sein „Berlin Sunrise“, so sagt er, habe er wirklich frühmorgens auf einem Balkon in der Bundeshauptstadt geschrieben. Und „Wheels“ widmete er seinem großen Hobby, dem Skateboard-fahren. Das hat er allerdings vorübergehend eingestellt, weil mit den Verletzungen, die er sich dabei zuzog, auch immer Konzertabsagen verbunden waren. Doch sein Traum ist, mit seiner Musik noch soviel Geld zu verdienen, dass er davon einen großen Skaterpark bauen kann. Der soll seine Altersversorgung sein. Hoffen wir, dass es nicht so schnell soweit kommt.
(Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur Website von Fink

Freitag, 3. August: Miss Li (Schweden)

Miss Li kommt aus Borlänge in der Provinz Darlana, einem Umfeld, das auch Bands wie Mando Diao und Sugarplum Fairy hervorgebracht hat. Doch im Gegensatz dazu lässt sich die Sängerin und Pianistin, die im bürgerlichen Leben Linda Carlsson heißt, nicht so schnel musikalisch einordnen. Ihre Mischung aus Rag Time, Chanson, Jazz, Blues und Pop trägt gelegentlich kabarettartige Züge. Die musikalische Unverwechselbarkeit war es wohl auch, die sie dazu trieb, nach ersten künstlerischen Erfolgen gleich drei Alben in einem Jahr zu veröffentlichen – für andere Musiker ein Selbstmordkommando. Doch ihre Songs fanden fortan Einzug in Fernsehserien wie „Grey’s Anatomy“ und „Weeds“. Ihr Song „Bourgeois Shangri-La“ wurde sogar von Apple als Soundtrack für die iPod-Werbung auserkoren. Heute tourt sie nicht nur durch Skandinavien sondern auch durch Russland, Frankreich und die USA. Auf dem Weg gibt es einen Zwischenstop im Kulturzelt. 
(Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur MySpace-Seite von Miss Li

Samstag, 4. August: Charles Bradley and his Extraordinaires (USA)

Charles Bradley hat mit „No Time for Dreaming“ eine der besten Soul-Platten der letzten Jahre veröffentlicht, und das in einem Alter von 62 Jahren. Der Soulsänger aus Gainsville/Florida, der Heimat von Tom Petty (der allerdings zwei Jahre jünger als Bradley ist) fällt in die Kategorie „Deep Soul“. Sein Konzert im Kulturzelt müsste eigentlich lückenlos an den Erfolg von Sharon Jones und den Dap Kings im vergangenen Jahr anknüpfen. Wie Jones hat auch Bradley, Jahrgang 1948, die große Soul-Ära mit Stars wie James Brown, Otis Redding und Wilson Picket erlebt und damit den Aufstieg und Fall dieser Musik in der Publikumsgunst. Und Charles Bradley weiß, wovon er singt. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, mit 14 ist er von zuhause abgehauen, hat jahrelang auf der Straße und in Parks übernachtet, hat sich aber nie in seinem Glauben an Gott beirren lassen. Das sind die Lebensgeschichten, aus denen die wahre Soulmusik erwächst. Die kann kein Produzent der Welt einer noch so guten Stimme und Künstlerpersönlichkeit auf den Leib schneidern. Feiern wir für einen Abend die Rückkehr des Soul, so wie er mal wirklich war.
(Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur Website von Charles Bradley

Mittwoch, 8. August: Apparat (D)

Das aktuelle Album von Sascha Ring/Apparat, ist auf Mute-Records erschienen, dem Label von Daniel Miller/The Normal, der in den letzten 30 Jahren unter anderem Künstler wie Depeche Mode, Erasure, Moby, Laibach, Goldfrapp und die Deutsch Amerikanische Freundschaft (D.A.F.) unter Vertrag nahm. Das passt, denn wie seinen Label-Kollegen geht es auch Apparat mehr um Sounds und Klangwelten als um schnöde Beats. Das sieht man auch daran, dass bei ihm neben dem Computer richtige Instrumente zum Einsatz kommen: Klavier, Gitarren und die menschliche Stimme. Die Musik umhüllt einen wie ein Cocoon, man fühlt sich wohl darin, weil alles atmosphärisch stimmig ist. Mit diesem Sound zählt Apparat heute weltweit zur ersten Liga der Elektro-Künstler mit Auftritten von Shanghai bis San Francisco

(Eintritt: 22/24 Euro - HNA-Kartenservice)
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Donnerstag, 9. August: Dillon (Brasilien)

Dominique Dillon de Byington, Künstlername: Dillon, geboren in Brasilien, lebt und arbeitet in Berlin. Mit ihrer Musik erfüllt sie eine schon fast vergessene Sehnsucht nach Singer/Songwriter-Pop made in Germany. Dillon flirtet nicht mit der Tanzfläche, bei ihr trifft songschreiberische Gediegenheit auf Chanson-Zauber und das ohne jegliches Pathos. So singt sie über von Liebe verknotete Spaghetti-Beine, Spaziergänge im Herbst und die Zahnbürste des (ehemaligen) Freundes. Wer jetzt aber glaubt, hier käme die deutsche Variante zur amerikanischen Harfenspielerin und Sängerin Joanna Newsom, dem sei gesagt, dass Dillon ihre Musik auf dem kleinen aber feinen Bpitch Control-Label – Chefin: Ellen Alien – veröffentlicht, das schon Paul Kalkbrenner und Modeselektor zu Triumphzügen verhalf. Das Etikett „süßes Indie-Girl“ greift also mitnichten

(Eintritt: 18/20 Euro - HNA-Kartenservice)

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Freitag, 10. August: Gabby Young & Other Animals

Wo immer Gabby Young mit ihren Mit-Tieren auftaucht, erzeugt sie wahre animalische Begeisterung – so auch im vergangenen Jahr im Kulturzelt, als sie das Eröffnungskonzert bestritt. Das achtköpfige Ensemble wirft sich auf das gesammelte Erbe des Jazz, des Gypsyfolk und der Swing- und Unterhaltungsmusik längst vergangener glanzvoller Epochen und macht daraus eine Art Honkytonk-Musik von heute: Warme, swingende, manchmal auch ziemlich exaltiert nach vorn preschende Kabarettsongs werden getragen von einer Instrumentaltruppe aus Banjo, Klarinette, Kontrabass, Akkordeon, Barpiano und der unverzichtbaren Blechblasfraktion. Zusammengehalten wird dieses Soundkonglomerat von Gabby Youngs rauchiger Stimme, die mehrere Oktaven umfasst – ganz wie bei ihrer Schwester im Geiste, Nina Hagen.

(Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

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Samstag: 11. August: Johannes Oerding (Deutschland)

Er ist ein hoffnungsvoller Romantiker, der mit seinen Singer- und Songwriter-Qualitäten der deutschsprachigen Musikszene einen frischen Glanz verpasst. Johannes Oerdings Soul- und Pop-infizierte Songs sind voll mit Emotionen, wie sie ein jeder von uns in sich trägt. Seine Themen: Niederlagen, Hoffnung und Liebe. Sein Kunststück: Er verwendet kein Wort zuviel und keine Silbe zuwenig, um die Dinge auf den Punkt zu bringen. Das Hamburger Urgestein Udo Lindenberg attestierte dem Wahl-Hamburger Oerding eine „Kehle aus Gold“. Johannes Oerding weiß, wie man sein Publikum unterhält und bindet es geschickt in sein Programm ein. Das macht den Reiz seiner Konzerte aus. Und natürlich Songs wie "Die Tage werden anders sein", "Ich will dich nicht verlieren" oder "Engel".

(Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

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Sonntag, 12. August: Boy (Deutschland)

Kennengelernt haben sich die Schweizerin Valeska Steiner und die Hamburgerin Sonja Glass beim Kontaktstudiengang „Popkurs“ an der Hamburger Musikhochschule. Lange schien es, als ob aus dem Plan, gemeinsam Musik zu machen, nichts werden würde, doch dann kam eines zum andern: Immer mehr Zuhörern gefielen die eingängigen, unbeschwerten Pop-Nummern des Duos, darunter auch den Talentsuchern von Herbert Grönemeyers Grönland-Label, die einen Plattenvertrag anboten. Sie hatten ganz offensichtlich den richtigen Riecher, denn „Mutual Friends“, das Debütalbum von Boy, gilt seit seinem Erscheinen im September 2011 als eines der großen Konsensalben, von dessen Qualitäten Kritiker wie Fans gleichermaßen schwärmen. Dass sich das Zwei-Mädel-Duo ausgerechnet Boy nannte, ist typisch für den Humor der Beiden. Namensgeber könnte aber auch ein Song auf ihrem Debütalbum mit dem Titel „Oh Boy“ sein. Der wiederum handelt von einer Stadtschönheit, die alle Männer abblitzen lässt. Die Konzerte der ersten Boy-Tournee im Herbst 2011 waren übrigens überall ausverkauft. Warum sollte das im Sommer 2012 anders sein, zumal Boy ja eigentlich auch Sommermusik spielen.

(Eintritt: 22/24 Euro - HNA-Kartenservice)

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Mittwoch + Donnerstag, 15. + 16. August: Hubert von Goisern (Österreich)

"Wenn d’sun wieder kimmt und da Schnee wegga rinnt und dein Schuach dann im Gatsch drin’ versinkt, ja dann schwimmst so dahin. Und es schwimmt all's so vorbei z'erst da März, da April und dann is eh schon wieder Mai und a da Summa, ", singt Hubert von Goisern in „Es is wias is“ über den Frühling und die Vorfreude auf den Sommer. Das Stück ist auf seinem aktuellen Album „Entwederundoder“ und so lautet auch das Motto seiner Tournee. Vorausschauenderweise wurde fürs Kulturzelt gleich zwei Auftritte gebucht, da das Konzert des Alpenrockers im vergangenen Jahr im Nullkommanichts ausverkauft war und viele ihn gerne erlebt hätten. Etwas kleiner ist Goiserns Band geworden, nur noch Schlagzeug, Bass und Gitarre, doch gerade das sorgt für eine heimelige Konzertatmosphäre. Zwar mangelt es weit weg der Alpen mitunter an Verständlichkeit der im oberösterreichischen Dialekt gesungenen Texte, doch das stört Hubert von Goisern nicht. „Jeder soll einfach das hereininterpretieren, was er möchte“, sagt er. Viel wichtiger sei die Musik. Bei „Weit, weit weg“ werden trotzdem alle mitsingen .

(Eintritt: 30/32 Euro - HNA-Kartenservice)

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Freitag, 17. August: Manolito Simonet y su Trabuco (Kuba)

Manolito Simonet ist einer der versiertesten, bekanntesten und erfolgreichsten Pianisten Kubas. Der Musiker aus Camagüey war zwanzig, als er in der Band "Maravilla de Florida" einstieg, eine der führenden Salsaformationen. Seit 1995 hat er aber seine eigene Combo namens Trabuco. Hier wird der Son gefeiert, auch wenn Manolito sich nie neuen Strömungen wie Timba oder Salsaton versperrt. Stets bleiben dabei jedoch der Geist des Son, und seine unbändige Tanzbarkeit erhalten.

(Eintritt: 18/20 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur Website von Manolito Simonet

Samstag, 18. August: Bernhoft (Norwegen)

Warum ist sein „C’mon Talk“ nicht längst ein Welthit? Jarle Bernhoft ist zwar in Norwegen längst populärer als a-ha und Marit Larsen, sang im vergangenen Jahr bei der Verleihung des Friedensnobelpreises vor den Mächtigen der Welt, aber so ganz haben sich seine Fähigkeiten als Multiinstrumentalist, Komponist und Texter noch nicht herumgesprochen. Der Norweger, der ein wenig aussieht wie der junge Götz Alsmann, aber mit einer Stimme gesegnet ist wie der reife Ray Charles, hat eine bekannte Technik zu neuem Leben erweckt: Er begleitet sich selbst, spielt auch bei Konzerten alle Gitarren und Rhythmustracks zunächst live ein, um sie dann durch einen Sampler zu jagen und beim Singen so abzurufen, das alles zum richtigen Zeitpunkt erklingt und jeder Song eine „runde Sache“ ist. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben, vor allem die Lässigkeit, mit der Jarle Bernhoft dieses One-Man-Band-Wunder inszeniert.

(Eintritt: 22/24 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur Website von Bernhoft

Sonntag, 19. August: 17 Hippies (D)

Kaum zu glauben: 17 Jahre gibt es die 17 Hippies mittlerweile und gefühlte zehn davon beenden sie alljährlich die Kulturzelt-Saison. Egal, ob sie ein neues Album am Start haben oder, wie in diesem Jahr, eigentlich gar nicht auf Tour gehen sondern nur ein paar ausgewählte Festival-Gigs bestreiten, hier gehören sie einfach dazu. Gegründet wurde die Band 1995 in Berlin. Die Voraussetzung, ein Mitglied der 17 Hippies zu werden, war lediglich, dass man ein anderes Instrument als die bereits vorhandenen spielen musste. Und so kam es zu der Startbesetzung Ukulele, singende Säge, Gesang, Banjo, Gitarre, Akkordeon und Dudelsack. Mit diesen Instrumenten wollten die fünf Gründungsmitglieder – warum sie den Namen 17 Hippies wählten, weiß keiner mehr – nach eigenen Angaben „traditionelle Musik aus Osteuropa, Frankreich und Amerika in einem Berliner Style interpretieren.“ Tanzbar sollte das alles sein und irgendwie hat sich bis heute nicht viel daran geändert. Neue Mitglieder kamen und gingen, die 17 Hippies nahmen nicht länger nur Alben auf sondern komponierten auch Film und Theatermusik, wurden weltberühmt, spielten beim South by Southwest-Festival in Texas ebenso wie beim Womad-Festival auf den Balearen … und kommen trotz alledem jedes Jahr zum Finale ins Kulturzelt.

(Eintritt: 20/22 Euro - HNA-Kartenservice)

Zur Website der 17 Hippies

Quelle: mydocumenta

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