Blick auf Geschichte:   Rosenhang entstand auf Kriegs-Trümmern

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Transport mit Loren: Vom Friedrichsplatz - im Hintergrund das Fridericianum - wurde der Schutt abgefahren.

Kassel. Es ist ein weiteres Stück Kasseler Stadtgeschichte, das die documenta in den Fokus rückt. Der „d(13)pfad“ führt in Serpentinen von der Schönen Aussicht über den Hang zur Karlsaue.

Wer über die Mauer steigt und eine Leiter hinunterklettert, betritt ein Gelände, das als Folge des Krieges entstanden ist. Die in Teheran geborene Berliner Künstlerin Natascha Sadr Haghighian hat diesen Pfad angelegt.

Die aufgeschütteten Terrassen des Rosenhanges gibt es erst seit der Bundesgartenschau 1955, dem Jahr der ersten documenta. Der Architekt und Landschaftsplaner Hermann Mattern hatte damals die Idee für die Umgestaltung. 25.000 Rosen blühten zur Bundesgartenschau auf dem Gelände. Ein Zeichen dafür, dass der Wiederaufbau nach dem kriegsbedingten Zusammenbruch Fortschritte machte. Das ist ein Leitthema der documenta.

Berge von Schutt und ein beschädigtes Staatstheater: Auf Schienen wurden die Trümmer aus der zerstörten Altstadt hierher transportiert. Das preußische Theater wurde trotz massiver Proteste abgerissen.

Tausende Tonnen Schutt aus der im Oktober 1943 zerstörten Kasseler Innenstadt wurden an dem früher sehr viel steileren Hang abgeladen. Es war eine Herkulesaufgabe mit sehr viel Handarbeit. Vom Friedrichsplatz bis zur Schönen Aussicht (zwischen dem heutigen Staatstheater und der Neuen Galerie) hatte man provisorisch Schienen verlegt. Darauf wurden Loren mit den Trümmern bis an den Rand des Hanges geschoben und dann ausgeschüttet. Bis weit in die 1950er-Jahre war das Stadtbild noch von Häuserruinen geprägt. Die Menschen brauchten ein Dach über dem Kopf. Binnen kürzester Zeit wurden viele beschädigte Häuser in der Innenstadt abgerissen und Wohnungen gebaut. Fachleute haben geschätzt, dass es 65.000 Kubikmeter Schutt waren, die damals bewegt wurden.

Unter der Oberfläche des Rosenhangs liegen die Trümmer. Es sind Relikte des alten Kassel, das im Krieg zerstört wurde. Die Künstlerin Natascha Sadr Haghighian erinnert daran.

Von Thomas Siemon

Quelle: mydocumenta

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