Was erlebt man in zehn Stunden documenta? - ein Worldly Companion erzählt

Kunstmarathon: „Worldly Companion“ Anne-Kathrin Auel (rechts) begleitete unter anderem Sonja und Roland Ernst (2. und 3. von rechts), Gewinner beim HNA-Glückstelefon, über die documenta. Hier stoppt die Ausdauer-dTOUR an der Skulptur von Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg auf dem Friedrichsplatz. Foto:  Fischer

Kassel. Wen begleite ich bei meiner ersten zehnstündigen Tour über die documenta? Wann hört es auf zu regnen? Diese Fragen gehen mir am Sonntagmorgen durch den Kopf. Insgesamt neun Besucher wollen sich auf das spezielle Angebot einer Ausdauer-dTour einlassen.

Unter ihnen ein Kinderarzt aus München mit seiner Frau sowie ein niederländischer Rechtsanwalt. Mit dabei ist auch eine Lehrerin, die nun an meiner alten Schule unterrichtet.

Die zwei Personen, die beim HNA-Glückstelefon Karten gewonnen haben, fehlen noch. Haben Sonja und Roland Ernst aus Löhlbach bei Haina es sich anders überlegt? Dabei wäre es schade, einen Preis im Gesamtwert von 150 Euro verfallen zu lassen.

Das Paar musste aber nur den vierjährigen Sohn bei den Großeltern abgeben. Nun überqueren die beiden zielstrebig den Bahnhofsvorplatz. Vor dem Offenen Kanal, wo die Abspielgeräte für das Werk „Alter Bahnhof Video Walk“ von Janet Cardiff und George Bures Miller verliehen werden, hat sich eine Schlange gebildet. Als Gruppe dürfen wir vorbeiziehen. Ich fürchte böse Kommentare, die aber durch das dTour-Schild ausbleiben.

Wir durchstreifen den Bahnhof, den Blick auf iPods gerichtet und via Kopfhörer einer Tonspur lauschend, die einen realitätsnahen räumlichen Höreindruck vermittelt. Als wir über das Werk sprechen, zeigt sich die Gruppe begeistert. Nur eine Teilnehmerin gab das Gerät zurück, weil auf ihrem Display ein Batteriesymbol blinkt. Von den anderen erfährt sie, dass diese Sequenz zur künstlerischen Arbeit gehört.

Nach weiteren Stationen machen wir eine Mittagspause und lassen uns an der Spitze des Nordflügels nieder. In der Cafébar Base 13 sind viele Speisen und Getränke ausverkauft. Sonja Ernst ergattert die letzte Brezel und trinkt dazu ein Bier. Ein Radler wäre ihr lieber gewesen.

Als die Bedienung dreimal brüllt, um auf einen Flammkuchen hinzuweisen, fühlen wir uns wie im falschen Film. Gut, dass wir gleich in die Videoinstallationen von William Kentridge und Clemens von Wedemeyer eintauchen.

Im Fridericianum schauen wir durch die Glasscheibe in die Rotunde, weil für die lange Schlange unsere Vorfahrtsregelung nicht greift. Als ich über die Steine von Giuseppe Penone spreche, nimmt ein kleiner Junge auf einem der Objekte Platz. Sein Vater reißt ihn schnell zur Seite. Wir müssen lachen, dem Kind ist sichtlich zum Weinen zumute.

Fast alle halten bis 20 Uhr durch. Am Ende des Tages stehen wir vor der Neuen Galerie. „Ich könnte noch weitermachen“ sagt einer der Teilnehmer, während die anderen zustimmend nicken.

Von Anne-Kathrin Auel

Quelle: mydocumenta

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