Beliebtestes documenta-Kunstwerk ist für einen Tag komplett

Das letzte Buch am Parthenon der Bücher auf dem Kasseler Friedrichsplatz hängt

+
Riesengroßer Andrang: Zu den Vollendungsfeierlichkeiten am Parthenon sind viele Menschen gekommen, die sich um Künstlerin Marta Minujín drängen.

Kassel. Am heutigen Samstag, 9. September, wurde der Parthenon der Bücher auf dem Kasseler Friedrichsplatz endlich vervollständigt. Auch Künstlerin Marta Minujín ist vor Ort.

Neben der Künstlerin war auch der 38-jährige Sebastian Schröder dabei, als das Kunstwerk komplettiert wurde. Um es gleich zu sagen: Basti ist 'ne Wucht. Er heißt Schröder mit Nachnamen, aber Nachnamen spielen in Bastis Welt keine Rolle. Er redet vom Jonas und von der Kristin; die documenta-Künstler Marta Minujín und Hiwa K sind bei ihm „die Marta“ und „der Hiwak“. Im Winter arbeitet Basti als Skilehrer beim berühmten Stanglwirt in Kitzbühel, er hat es dann mit den Kindern berühmter Fußballer zu tun. Im Sommer war er schon so ziemlich alles: Surflehrer, Manager für Veranstaltungen, Tennislehrer. Er isolierte Panzer und war auf Streetfoodmärkten für die Logistik zuständig – außerdem schraubt er zu Hause in Helsa ganz gern an Autos herum.

In diesem Sommer nun arbeitet dieser Sebastian „Basti“ Schröder für die documenta 14: in einem Team, das sich um den Parthenon kümmert. Schröder brachte Bücher an; der 38-Jährige prüfte, ob die abgegebenen Bücher irgendwo und irgendwann mal verboten waren; und eigentlich hat er auch hier wieder alles gemacht. An diesem Wochenende gehört er zu dem Trio, das den Parthenon mit dem letzten Buch komplettiert. „Die Marta“ ist dann auch dabei. Es ist der Wendepunkt. Danach hängen Schröder und die anderen die Bücher wieder ab und verteilen sie.

Mittendrin: Basti Schröder am Parthenon. 

++ Infos zu den Veranstaltungen am Parthenon ++

Am Samstag wird ab 12 Uhr die Vervollständigung des Parthenon gefeiert. Die Schöpferin des Parthenons, die argentinische Künstlerin Marta Minujín, wird anwesend sein. Besucher können sich mit eigenen Beiträgen wie Lesungen am Fest beteiligen. Die gespendeten Bücher werden ab morgen, Sonntag, 12 Uhr am Parthenon an Interessierte abgegeben.

Was am Friedrichsplatz los ist, lesen Sie aktuell auf Kassel live 

„Das ist ein Super-Team“

Zurück zu Sebastian Schröder: Wenn er so spricht über seine aktuelle Aufgabe, dann überschlägt sich seine Stimme fast, er benutzt Wörter wie „gigantisch“, und er erzählt im Eiltempo Geschichten. Diese zum Beispiel: „Das ist ein super Team hier. Da ist auch der Jonas dabei; der ist normal Segelbauer. Segelbauer! Mit dem hab ich die Stromkabel für die Röhren vom Hiwak verlegt. Abends saßen wir dann da mit ein paar Künstlern. Da war auch der Hiwak. Dem haben wir erst mal gesagt, dass wir für seinen Strom gesorgt haben. Da wollte er uns gleich ein Bier ausgeben. Solche Begegnungen sind natürlich supercool.“

Forbidden books #parthenonofbooks #kassel2017 #documenta14 #kunstskolenirogaland #contemporaryart #art

Ein Beitrag geteilt von Art Kjersti Dirdal (@kjerstidirdal_art) am

Das Problem ist, dass seine documenta-Zeit nun langsam endet. Tut es weh, das nun wieder abzubauen, was er selbst mit aufgebaut hat? „Einerseits: ja“, sagt er. Er hängt an diesem Kunstwerk, an den Büchern, von denen er sich ein Exemplar von „Der kleine Prinz“ für sein Patenkind, „die Lisa“, sichern will. Er hängt an der Atmosphäre der vergangenen Wochen mit all den Fragen der Besucher: „Wann war dieses oder jenes Buch mal verboten?“, „Wo kann ich die Bücher abgeben?“, „Was passiert mit den Büchern?“

Das Leben als Kunst

Andererseits hält er es mit „der Marta“, die Kunst als etwas Vergängliches ansieht. Die Veränderung passt ja auch zu seinem Leben, das er als eine Art Kunst ansieht: „Ich ziehe von Baustelle zu Baustelle.“ Das ist dann verdammt spannend und abwechselungsreich, lässt aber so etwas wie ein geordnetes Familienleben nicht wirklich zu. Was soll’s?

Die nächste Aufgabe wartet bereits, wenn sein Vertrag mit der documenta Mitte Oktober endet. Danach geht es gleich wieder nach Österreich zum Skifahren. Dann trainiert er ein paar Jungs von der British Army. Das könnte auch interessant werden.

So ist der Parthenon der Bücher entstanden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.