Bilder von Apostolos Georgiou

Lieblingskunstwerke der documenta: Melancholie im Flair der 60er

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Perfekter Ausstellungsort: Die Stimmung der Bilder von Apostolos Georgiou passt zu der Wohnung im ehemaligen Haus von Leder Meid am Friedrichsplatz.

Kassel. Nicht eines, sondern gleich mehrere Bilder sind die Lieblingskunstwerke unseres Autoren. Sie hängen im ehemaligen Leder-Meid-Geschäft inmitten von 60er-Jahre-Flair.

Der Betrachter ist hin- und hergerissen: Die Bilder des Malers Apostolos Georgiou haben etwas Melancholisches, bisweilen Tragisches, sie lassen einen aber auch immer wieder schmunzeln. Fantastisch – weil dazu passend – ist der Ausstellungsort: Die ehemalige Eigentümer-Wohnung des Kasseler Geschäftes Leder Meid am Friedrichsplatz nimmt die Arbeit des bekannten griechischen Künstlers, der auch ein Bild in der documenta-Halle zeigt, wie selbstverständlich auf.

Georgious Bild im Wohnzimmer des Leder-Meid-Appartements mit dem eng umschlungenen Liebespaar könnte hier schon immer gehangen haben. Warum schaut der Mann am Beckenrand so traurig? Nimmt er überhaupt Notiz von dem Pärchen?

Doch irgendwann kommt das Lächeln zurück. Dass der Mann, der die Frau im Arm hält, mit Schuhen und Socken im Wasser liegt, ist irgendwie auch komisch, oder?

Die Wohnung im dritten Stock des Hauses am Friedrichsplatz hat den Charme der 60er-Jahre. Tapetenreste mit Goldornamenten, ordentlich verlegtes Stäbchenparkett und goldverzierte Wandleuchter nehmen einen mit in diese Zeit.

Besonderer Hingucker ist das Badezimmer in Rosa und Himmelblau. Selbst die Fugen zwischen den Fliesen sind rosa. „Als die das eingerichtet haben, war das das Modernste vom Modernen“, sagt eine Besucherin. Recht hat sie. Wer hatte schon zwei Fußwaschbecken nebeneinander und überhaupt zwei Waschbecken? Wer hat hier seine Füße gebadet, so wie der Mann auf dem Georgiou-Bild im Wohnzimmer?

Blick ins Bad: Auch die Besucherinnen Ele Lippek (links) und Heidi Thiel-George sehen sich die aus den 60er-Jahren stammende Einrichtung in Blau und Rosa an.

Ein Gemälde zeigt einen Mann, der aus einem Fenster zu stürzen scheint. Ein anderer beobachtet die Szenerie. Das Fenster sieht aber ein bisschen aus wie beim Kasperle-Theater. Da ist er wieder, dieser komische Moment.

Oder das Bild mit den Männern, die ihren Intimbereich betrachten, sich am Po kratzen und zwischen streunenden Katzen ein Fußbad nehmen. Alle haben Anzüge an. Einer steckt sich den Finger in den Hals. So sind Männer manchmal.

Die Gesichter der Menschen auf den Bildern sind nicht glücklich. Und doch: Der Ausstellungsort in der Wohnung mit den Waschbecken, der angefetzten Tapete, dem schmucken Parkett und dem tollen Ausblick auf den „Parthenon der Bücher“ und das documenta-Treiben hinterlässt Glücksgefühle.

Ach, noch was. Wer das alles auf sich wirken lassen will, sollte dies direkt zwei Stockwerke tiefer tun: im Bistro Dépanneur bei einem Kaffee und einem Stück Zitronen-Tarte.

Zu allen Lieblingskunstwerken der documenta 14

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