60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Anna Kwiatkowski

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Eine Fotografie ist kein Gemälde. Ein Gemälde ist keine Fotografie. Selbiges gilt für eine Person, die weder Fotografie noch Gemälde ist. Und das wiederum heißt, dass es interessant sein könnte, alle drei miteinander zu vergleichen.

Solches wird durch das Werk von Anna Kwiatkowski möglich, die in den letzten zehn Jahren Bilder von Familienmitgliedern und Freunden, aber auch von Menschen, die sie auf der Straße traf, machte. In den letzten Jahren hat sie auch damit begonnen Portraits zu malen, vor allem von ihrer jungen Tochter. Und dann gibt es da noch das Mädchen selbst, in einem Sommerkleid steht sie mir scheu gegenüber. Ein jedes dieser Elemente ist auf die eine oder andere Weise eine Kreation der Künstlerin, wenngleich es ebenso ihr Versuch ist, dem Charakter einer anderen Person zu gestatten, sich selbst offen und ehrlich zu zeigen. Lässt man Fragen nach Pixelierung und Schüchternheit beiseite, dann ist es die Malerei, die am meisten Stärke besitzt, am meisten Textur, am meisten Expression. Sie hält dem Blick des Betrachters stand, erwidert ihn aus klaren, ungetrübten Augen. S

ogar die malvenfarbigen und smaragdgrünen Striche, die das Gesicht auf einer Leinwand zum Teil verschleiern, können die Kraft des Mädchens im Inneren nicht in Schach halten.

— Lori Waxman, 1. August 2012, 15.00 Uhr

A photograph is not a painting. A painting is not a photograph. Neither is a person. That said, it can be interesting to compare all three.

This is possible to do with the work of Anna Kwiatkowski, who for the past decade has been taking pictures of family and friends, as well as people met on the street. In the last year she has also begun to paint portraits, specifically of her young daughter. And then there is the girl herself, dressed in a summer dress and standing shyly in front of me. Each of these is in one way or another a creation of the artist, although it is also her attempt to allow the character of another person to show itself candidly. Issues of pixelation and bashfulness aside, it is the paintings that contain the most potency, the most texture, the most expression. They hold the viewer’s gaze, staring back with clear, unclouded eyes.

Even the strokes of taupe and teal paint that partially obscure the face in one canvas cannot contain the force of the girl inside.

—Lori Waxman 8/1/12 3:00 PM

 

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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