60 Worte/Min. Kunstkritik - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Anna Volmer

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Verrichtet man jeden Tag dieselbe Arbeit, sieht man jeden Tag dieselben Leute, sucht man jeden Tag dieselben Orte auf, dann kann das leicht zu einem eintönigen, grauen und verschwommenen Fleck gerinnen.

Alles hinwerfen und sich einer Zirkustruppe anschließen mag da für manche einen Ausweg bieten, doch andere, wie auch Anna Volmer, arbeiten praktischere Methoden aus, um Leben in die Sache zu bringen. Hier nun zwei dieser Methoden: Man mache Fotografien von Kollegen und lokalen Örtlichkeiten, schicke sie durch den Computer und verwandle sie dabei in segmentierte, farbig kraftvolle Varianten ihrer selbst. Die so entstandenen Bilder lassen an Buntglasfenster des Alltags denken.

Volmers zweite Methode besteht darin, kleine leuchtende Leinwände mit zahlreichen Klecksen aus Ölfarbe zu bemalen, was zu impressionistischen Abstraktionen führt, die manchmal eine träumerische Gestalt annehmen, dann wieder witzig sind. Für die Herstellung dieser Arbeiten braucht man viele Stunden Zeit, doch sie können in den Zwischenräumen und -zeiten des Alltags entstehen und sie vermögen die Erneuerung eines jeden Teils dieses Lebens – erkennbar oder abstrakt, menschlich oder göttlich – zu bewerkstelligen.

— Lori Waxman, 23. Juli 2012, 17.52 Uhr

 

The same work done every day, the same people seen every day, the same places visited every day, can easily become a dreary, grey blur.

Giving it all up and joining the circus works for some, but others, like Anna Volmer, must devise more practical methods for enlivenment. Here are two: take photographs of colleagues and local sites, put them through the computer, and transform them into segmented, vibrantly colored versions of themselves. The resulting pictures suggest stained glass windows of the quotidian.

Volmer’s second method is to paint small, luminous canvases with many dabs of oil paint, generating impressionistic abstractions that are sometimes dreamy, sometimes witty. Many hours must be spent to produce these works, but they can be done in the interstices of time and space of a regular life, and they can remake any part of that life, recognizable or abstract, human or divine.

—Lori Waxman 7/23/12 5:52 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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