60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Beate Scheller

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Was man vielleicht den Hippie-Realismus einer Reisenden nennen könnte, verleiht den Drucken von Beate Scheller Leben. Ein Märchendorf, von Efeu überwachsen, scheint zu perfekt geraten, um wahr zu sein. Eine Szene im Wald zeigt einen grinsenden Pilz und etwas, das vielleicht einer der sieben Zwerge sein könnte. Ein Fisch schimmert mit Flitter und Weihnachtstand jenseits aller Wahrscheinlichkeit, selbst für die seltsamste der seltsamen Welten. Ein Fenster geht auf und gibt den Blick frei auf einen See, einen Berg und vielleicht auf ein Piratenschiff. Überall schweben Augen, dekorativ.

Ein paar trippige Bilder kann man sogar aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Schellers Bilder verfügen über die Intensität von Kritzeleien, doch da sie Lithographien sind, wird das von einer paradoxen Dauerhaftigkeit unterfüttert, von der Hingabe an den Stein.

Gebunden wie ein Leporello, legt sich eine Abfolge nahe – von einem Druck zum nächsten, doch diese wird nicht buchstäblich manifest. Berücksichtigt man die Kompaktheit, mit der überarbeitete Stücke die Formen und Themen von einer Arbeit zur nächsten wiederholen, dann scheint es so, als ob ein neues Projekt tatsächlich diese Verbindungslinien sichtbar zu machen vermöchte.

— Lori Waxman, 18. Juni 2012, 15.13 Uhr

What might be called the hippy realism of a traveller animates Beate Scheller’s prints. A fairy tale village crawls with ivy but seems too perfect to be true. A woodland scene has a grinning mushroom and what might be one of the Seven Dwarves. A fish shimmers with swirls and baubles beyond the possibility of even the most wondrous scales. A window opens up on a vista of lake, mountain and possible pirate ship. Eyes hover everywhere, decoratively.

A few trippy images can even be viewed from multiple directions. Scheller’s pictures have the casual intensity of doodles, but being lithographs they counter this with a paradoxical permanence, the commitment of stone.

Bound together in accordion fold books, a continuity is suggested from one print to another but not made literally manifest. Given the dense, worked bits that repeat forms and themes from one work to another, a new project might be to actually make these connections literally visible.

—Lori Waxman 6/18/12 3:13 PM

 

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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