60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Carola Lee

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Kunst kann vieles sein. Sie zeichnet Geschichte auf oder provoziert, sie fängt ein Gefühl oder eine Tat ein, sie dient als Gedenkstätte oder als Augenblick reiner Schönheit. Oftmals hat man dabei den Zuschauer im Blick, doch das gilt weniger für das Kunstwerk selbst, als für die Aufnahme desselben beim Publikum.

Manche Kunst aber wird für ihren Schöpfer gemacht, sie hilft ihm oder ihr, sich von einem Seinszustand zum nächsten zu bewegen. Welche Kunst ist demnach am hilfreichsten? Die Arbeiten von Carola Lee stellen vielerlei Möglichkeiten bereit. Konzentrierte Bleistiftportraits ihrer Kinder und Freunde finden sich ebenso in ihrer Mappe, wie solche von Berühmtheiten wie Präsident Barack Obama, Michael Jackson oder der neuen Prinzessin von Monaco. Ein Steinrelief, tief und nachdrücklich gearbeitet, zeigt den Rücken einer verzweifelten Figur, die sich in sich selbst und in ihrem Stein zusammenrollt. Unter dieser Auswahl sticht das Gemälde eines Feldes mit Wasserfarben hervor.

Die Farbtöne verteilen sich über drei gleichmäßig angelegte, horizontale Streifen: Blauer Himmel, goldfarbenes Getreide, grünes Gras. Man sieht keine Menschen, die diese Ruhe der Natur zu stören vermöchten. Alles rauscht hier unter einer milden Brise an einem perfekten Sommertag. Das ist keine ungewöhnliche Ansicht, jedoch eine zutiefst beruhigende; das war sie für Lee, als diese sie gemalt hat, aber sie ist es auch für jeden, der sie betrachtet.

— Lori Waxman, 25. Juli 2012, 14.37 Uhr

 

Art can be many things. It records history or provokes; it captures a feeling or an action; it serves as a memorial or a moment of beauty. Often this is done with a viewer in mind, less for the artist than for the reception of the artwork.

But some art is made for the maker, to help the maker move from one state of being to another. So what kind of art helps the most? The work of Carola Lee offers many options. Focused pencil portraits of her children and friends fill Lee’s portfolio alongside those of celebrities like President Barack Obama, Michael Jackson and the new princess of Monaco. A stone carving, deeply worked, offers the back of a disconsolate figure, curled into himself and his own stone. Among this selection, a watercolor painting of a field stands out.

The hues appear in three even horizontal bands: blue sky, gold wheat, green grass. No people appear to disturb the quiet of nature, where everything rustles in the gentle breeze of a perfect summer day. It’s not an unusual view but it’s a deeply calming one, as it must have been for Lee to paint, but also as it is for anyone to see.

—Lori Waxman 7/25/12 2:37 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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