60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Christina Grenzebach

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Auf einem unbetitelten Druck von Christine Grenzebach ordnen sich dunkle Fragmente und solche, die in warmen Rot gehalten sind, wahllos auf einer Zeitungsseite.

Diese Schichtungen von Dreiecken und Parallelogrammen illustrieren nicht die Worte, die sie überlagern und sie formen auch selbst kein Bild. Doch anstelle dessen demonstrieren sie, gemeinsam mit anderen Werken aus dieser Serie, eines der Grundprinzipien der Kommunikation, und zwar die Beziehung der Sprache zum Sprechakt. Sprache ist ein begrenztes System, bestehend aus einer endlichen Anzahl von Symbolen.

Sprechen ist das, was passiert, wenn ein Individuum dieses System anwendet, es in einen einzigartigen Akt der Signifikation verwandelt.

Mit einem gemeißelten Holzblock und ein wenig Farbe als ihrem System, ist es Grenzebach möglich, eine endlose Reihe von Kunsterwerken auf Zeitungspapierseiten, großen Blättern Buntpapiers und kleinen Stücken von weißem Papier zu schaffen. Ein jedes Blatt transformiert sich dabei auf unterschiedliche Weise während des Drucks, wohingegen der Druckstempel in jedem Fall unverändert bleibt. Doch die Tinte verändert, die Schichten verändern und die Hände des Herstellers selbst verändern sich auch – eine ausgebildete Graphikdesignerin, die weiß, wie man die Grenzen des Zeichensystems übertreten kann, kann gar nicht anders, als jedes Mal auf einzigartige Weise zu handeln.

— Lori Waxman, 9. Juli 2012, 13.43 Uhr

Fragments of navy blue and warm red array themselves haphazardly across the page of a newspaper in an untitled print by Christina Grenzebach.

These layers upon layers of triangles and parallelograms do not illustrate the words that lie underneath them, nor do they form a picture in and of themselves. What they do instead, together with other works in the same series, is demonstrate one of the founding principles of communication, namely the relationship of language to speech act.

Language is a limited system made up of a finite number of symbols. Speech is what happens when an individual person appropriates that system, transforming it into a unique act of signification. With one chiseled block of wood and some paint as her system, Grenzenbach is able to create an endless number of artworks, on newspaper pages, large sheets of colored paper and small pieces of plain paper. Each is differently transformed by the act of printing, although the printing block remains the same in each instance. But ink changes, layering alters, and the hand of the maker herself—a trained graphic designer, who ought to know about going beyond the limits of sign systems—can’t help but act uniquely every time.

—Lori Waxman 7/9/12 1:43 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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